Uejima Onitsura (1661–1738) – Samurai, Haikudichter, Wahrheitssucher

Uejima Onitsura (1661–1738) – Samurai, Dichter, Wahrheitssucher

Ein achtjähriger Junge steht im Garten und ruft nach Glühwürmchen. Sie kommen nicht. Stattdessen fliegen sie davon, hinaus in die Sommernacht. Der Junge hält den Moment fest – nicht als Enttäuschung, sondern als Beobachtung. So beginnt das Leben eines Dichters, der später als Westlicher Onitsura neben dem Östlichen Bashō verehrt werden sollte.

Uejima Onitsura war Samurai und Dichter zugleich – zwei Identitäten, die er nie voneinander trennte. Er drohte zweimal mit Seppuku, um seine Ehre zu wahren, bestand aber darauf, erst hundert Verse zu vollenden. Ein Mann zwischen Schwert und Pinsel, der eine Poetik der radikalen Wahrhaftigkeit entwickelte.

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Liste bekannter klassischer Haikudichter

Liste bekannter klassischer Haikudichter (Haijin)

Man schätzt, dass in der klassischen Zeit einige Tausend Personen, zumeist Männer, mehr oder weniger regelmässig Haiku geschrieben haben. Dazu kamen unzählige Amateure, so wie heute auch. Jährlich werden Millionen Haiku in Japan und in anderen Ländern geschrieben.

Diese Liste ist alphabetisch sortiert, sie geht bis zum Ende des zweiten Weltkrieges. Danach beginnt die Moderne (die manche auch schon bei Shiki beginnen lassen), die aber ein anderes Thema ist.

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Natsume Sōseki (1867–1916) – Schriftsteller und Haikudichter

Natsume Sōseki Portrait generiert von ChatGPT nach Originalfotos

Oben: Das Portrait generierte ChatGPT nach Originalfotos

Er war ein Denker, ein Zweifler, ein stiller Träumer. Und einer der größten Schriftsteller Japans. Doch was viele nicht wissen, Natsume Sōseki war auch ein leidenschaftlicher Haiku-Dichter. Um die zweitausend Dreizeiliger hat er im Lauf seines Lebens verfasst. Nicht als Spielerei. Nicht als Mode. Sondern als Ausdruck einer inneren Notwendigkeit – als Mittel, mit der Welt und sich selbst ins Reine zu kommen.

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Tan Taigi (1709–1771) – Ein Haiku-Leben zwischen Dichterklause und Vergnügungsviertel

Tan Taigi (1709–1771) - Ein Haiku-Leben zwischen Dichterklause und Vergnügungsviertel

Oben: Zeitreisefoto des Tan Taigi nach einem zeitgenössischen Holzschnitt von einer KI erstellt

Kyōto, Mitte des 18. Jahrhunderts: In den schmalen Gassen des ummauerten Vergnügungsviertels Shimabara flimmern Öllampen, in den Teehäusern wird gelacht, diskutiert, musiziert. Und mittendrin sitzt ein Dichter, der seinen Unterschlupf Fuya-an nennt – die Klause ohne Nacht.

Der Name ist Programm: Hier wird nie ganz dunkel, die Stimmen und das Licht halten bis in die Morgenstunden. Der Zusatz 五雲坊 (Mönch der fünf Wolken) war einer seiner bekannten Künstlernamen.

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Ōshima Ryōta (1718-1787) – Erneuer des Haiku

Ōshima Ryōta dichtet (KI Bild)

Stell dir vor, du bist im alten Japan unterwegs, irgendwo zwischen Edo (dem heutigen Tokio) und den Bergregionen Shinanos. Es riecht nach feuchter Erde, die Kiefern stehen im Wind, und du hörst das Plätschern des Mairegens …

So beginnt etwas, das heute als Haiku bekannt ist – und Ōshima Ryōta war einer der Männer, die dieser Form im 18. Jahrhundert neues Leben eingehaucht haben. Einer, der gegen den Strom dichtete. Mit Leidenschaft, mit Humor – und mit einem Blick für das Wesentliche.

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