
Tee ist, und das ist wenig überraschend, in Japan ein Riesending. Kulturell wichtig, überall präsent und in jedem Haushalt zu finden. Tee ist das Haiku unter den Getränken, beide sind einfach, tief und still und doch voller Wirkung.
Haiku und Tee passen deshalb perfekt zueinander. Beide stehen für die Reduktion auf das Wesentliche. Beide sind eng mit dem alten Japan verbunden, doch in unserer Zeit genauso präsent.
Die ritualisierte Teezeremonie war kulturell eng mit der Haiku-Dichtung verknüpft. Viele Haikudichter waren auch Teemeister oder zumindest mit der Tee-Ästhetik vertraut.
Wenige Zutaten, einfache Zubereitung, aber höchste Sorgfalt. Tee trinken ist in vielen Kulturen ein meditatives Ritual, das Entschleunigung bietet. So ist auch das Haiku.
Morgentee trinken,
Matsuo Bashō (1644–1694)
der Mönch schweigt –
Chrysanthemenblüten.
Geschrieben im Shōzui-ji Zentempel in Katada, im Herbst 1690.
Allein beim Tee –
Kobayashi Issa (1763–1828)
ein Schmetterling kommt täglich
und spendet mir Trost.
Weiße Pflaumenblüten –
Yosa Buson (1716–1784)
ein Zuhause gefunden
im Teehaus bei Kitano.
Teeblüten –
Taneda Santōka (1882–1940)
sie fallen einfach
ich lasse sie fallen
Allein Tee trinken –
Kobayashi Issa
doch diesmal mit
frischer Sommerjalousie.
Der Duft des Frühlingstees –
Kobayashi Issa
und die Mittagsmüdigkeit
ist verflogen.
Shincha Tee, der zuerst in einem Jahr gepflückte Tee. Die Pflanze treibt nicht jedes Jahr neu aus, sondern hat ganzjährig Laub und ruht nur im Winter. Sobald es wärmer wird, beginnt sie wieder zu wachsen – und die ersten zarten Triebe gelten als die beste Ernte des Jahres. In vielen Teeanbaugebieten wie Shizuoka, Kyoto (Uji) oder Kagoshima ist der Winter nicht sehr streng, so dass die Pflanzen frühzeitig knospen.
Morgen für Morgen –
Kobayashi Issa
der Tee schmeckt besser,
wenn der Nebel fällt.
Kleine Strohmatte –
Kobayashi Issa
im Teekessel schimmert
der Sommermond.
Im Bergtempel –
Kobayashi Issa
selbst das Teegebäck trägt
Chrysanthemenblüten.
Der Tee kocht,
Kobayashi Issa
die Rassel klappert –
Frühlingsregen.
Ein Naruko ist ein traditionelles japanisches Rasselspielzeug, das mit zwei Holzstäben verbunden ist, die beim Ziehen an einem Seil klingen und ein rhythmisches, klingendes Geräusch erzeugen. Es war besonders in ländlichen Gegenden populär und wird auch als Klangspielzeug für Kinder verwendet. Diese Handrassel aus Holz wurde ursprünglich zur Vogelabwehr verwendet. Heute ist sie vor allem im Yosakoi-Tanz zu finden.
Linktipps
- Der grüne Geschmack – die Kultur des Teetrinkens ist Japans grosser Stolz
- Der Teeweg im Juni
- Teezeremonie (Wikipedia)

Werkstattbericht
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