Wandern & Haiku – 20 kraftvolle Kurzgedichte für Naturliebhaber

Wandern & Haiku: 20 kraftvolle Kurzgedichte für Naturliebhaber

Diese Dreizeiler fangen die Essenz des Unterwegsseins ein. Es sind Verse der großen Meister, die einst selbst wanderlustig die Natur durchstreiften; die als Reisende zu Fuß Berge überwanden, einsame Wege abschritten und die beeindruckendsten Momente in Worten festhielten.

Da ich selbst leidenschaftlich gewandert bin, sind mir diese Kurzgedichte nahe. Man kann sie gut nachempfinden, sofort kommen Stimmungen und Erinnerungen auf.

Outdoor Lyrik, Gedichte von Unterwegs

Wer das auch schon einmal gemacht hat, weiß wovon die Rede ist und wird sich in diesen Haiku wiederfinden.

Diese Haiku sind keine Reiseberichte, dazu sind sie zu kurz. Sie sind ein Extrakt, Erinnerungen aus einer Zeit, in der es weder Fotografie noch Handys gab. Auf geht’s: Mit dem Haiku durch Wald und Flur … Siehe auch: Auf den Spuren der Haiku-Meister: Wie man im alten Japan wirklich reiste

Mit dem Mond als Hut
könnte ich wandern,
im weiten Himmel der Reise.

Tagami Kikusha (1753–1826)

Im Mairegen –
spärlicher Bewuchs schmiegt
sich an den Bergpfad.

Masaoka Shiki (1867–1902)

Im Pflaumenblütenduft,
plötzlich bricht die Sonne durch
– der Bergpfad!

Matsuo Bashō (1644–1694)

Eine Reise,
ein Frühling –
Morgendämmer!

Masaoka Shiki

Der alte Handelsweg –
wo der Anstieg beginnt,
weiße Dornensträucher.

Masaoka Shiki
naturfrische Haiku für Wanderer

Von Wolken umhüllt,
nach dem Überqueren des Passes
sind die Ärmel kühl.

Masaoka Shiki

Mit tropfendem Hut
ziehe ich
durch die Berge.

Masaoka Shiki

Die Pflaumenblüten duften,
die Weiden wiegen sich –
wie immer auf der Reise.

Yokoi Yayū (1702–1783)

Müde von der Reise –
ein Quartier suchend,
ach, Blauregenblüten.

Matsuo Bashō

Mein Freund,
wir passen gut zusammen –
der Bergkuckuck.

Kobayashi Issa (1763–1828)

Regentropfen fallen
auf den Buschklee –
der Berg bleibt unbewegt.

Yosa Buson (1716–1784)

Zügig voran –
kein Blick zurück
auf den Weg.

Taneda Santōka (1882–1940)

Es gibt nur diesen Weg –
und ich gehe
ihn allein.

Taneda Santōka

Ein Wolf –
die Hoden des Reisenden
erstarren zu Eis.

Masaoka Shiki

Bald auch in unseren Wäldern zu haben …

In meinem Buch Haiku für jeden Tag gibt es ein ganzes Kapitel über Reisen und Wandern.

Im Schatten der Bäume –
der Wind ist da,
mein Wandergefährte.

Taneda Santōka
Wandern & Haiku

Im Herbstwind –
ich bin endgültig
zum Wanderer geworden.

Taneda Santōka

Am Wegesrand –
von einer Hand verstreut
Buchweizenblüten.

Yosa Buson

Den Pass überquert,
jetzt der Weg hinab –
diese Kühle!

Masaoka Shiki

Eine kurze Nacht –
am Stab des Pilgers
dämmert der Morgen.

Masaoka Shiki

Selbst unterm Strohumhang
genieße ich die Reise –
Blütenregen.

Tagami Kikusha
Haiku Wandern

Es ist, wie es ist; und das Wandern ist, was es immer war. Befreiend, naturnah und zugleich anstrengend. Such dir ein Haiku aus. Eines, das du behältst, mitnimmst – für den Moment, an dem es passt.

Werkstattbericht

bluetenschmetterlinge

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