Etwas regt sich unter der Erde. Die Pflaumenblüte öffnet sich vor dem letzten Frost, die Frösche erwachen, und der Wind trägt einen Duft, den es gestern noch nicht gab. Das Haiku fängt diesen Moment, bevor er verweht.
Letzter Pinselstrich am von Lenny Löwenstern – Drei Zeilen, ein Augenblick
Die Pflaumenblüte steht ein wenig im Schatten der viel berühmteren Kirschblüte; davon reden sie alle. Dabei ist die Pflaume nicht weniger zart, nicht weniger schön. Nur seltener. Man findet sie eher auf rustikalen Streuobstwiesen, nicht so sehr als Ziersträucher in Parks. Was ein guter Grund ist, diese Wiesen mal wieder zu besuchen.
Im alten Japan war das anders, der Pflaumenblüte wurde eine ziemliche Wertschätzung entgegengebracht. Sie fand früher statt als die Kirschblüte, teils fast noch in den Ausläufern des Winters. Genau deshalb handeln herrliche Haiku von ihr. Von ihr und ihrer unvergleichlichen Schönheit und Zartheit.
Letzter Pinselstrich am von Lenny Löwenstern – Drei Zeilen, ein Augenblick
Kirschblüten sind nicht nur ein Klassiker im Haiku, sie sind das Frühlingsthema schlechthin. Mehr Frühling geht einfach nicht. In Japan bewundert man die Blüten, feiert sie jedes Jahr, indem man unter ihnen picknickt und trinkt.
Die Kirschblüte steht für das Schöne, das nur einen Augenblick währt. Sie ist Symbol für den Glanz eines einzigen Moments. Das passt zum Haiku. In drei Zeilen kann so ein klassisches japanisches Poem ein ganzes Leben spiegeln – und oft ist es das Leben der Blüten selbst, das in ihnen aufleuchtet.
Jedes Jahr im April erscheinen sie aufs Neue und verzaubern mit ihrer zarten Pracht. Im Haiku hat das tiefe Spuren hinterlassen. Kirschblüten gehören zu den beliebtesten Sujets. Das war früher so, das ist heute nicht anders. Kirschblüten inspirieren Dichter und Träumer, Wanderer und Verliebte. Und Leser. Hier sind 14 Kurzgedichte großer Meister.
Letzter Pinselstrich am von Lenny Löwenstern – Drei Zeilen, ein Augenblick
Die Haiku von Matsuo Bashō entführen in eine Welt flüchtiger Momente und tiefer Reflexion. Jedes seiner Gedichte ist ein Fenster, durch das wir die stille Schönheit der Natur betrachten – Kirschblüten im Wind, eine Blume, die im Vergehen an die Kreisläufe des Lebens erinnert.
Zwanzig Haiku aus seinen fast tausend, ausgewählt nach dem Thema Blumen und Blüten.
Letzter Pinselstrich am von Lenny Löwenstern – Drei Zeilen, ein Augenblick
Wenn im Frühling die Natur die Welt neu erfindet, ist in Japan das Haiku nicht weit. In alten Zeiten verknüpften sich mit dem Frühling unzählige Hoffnungen – die Erleichterung über das Ende des Winters brach sich Bahn.
Das spürt man noch heute in den Zeilen der alten Meister, deren Verse so frisch wirken wie eh und je. Hier sind zwanzig Haiku, neu übersetzt.