
Frühling in Edo. Kein Tag, an dem nicht wenigstens eine Glocke verkauft wird – egal ob Tempelglöckchen, Klangspiel oder Kinderspielzeug. Inmitten dieser vibrierenden Stadt lebt ein Mann, der sie besser versteht als viele ihrer Chronisten: Takarai Kikaku. Während sein Lehrer Bashō die Stille der Berge sucht, findet Kikaku seine Verse im Lärm der Gassen, in den Teehäusern, im Duft von Sake und Herbstlaub.
Er war Bashōs brillantester Schüler – und sein unbequemster. Zu intelligent, um zu schweigen, zu eigensinnig, um zu folgen. Seine Haiku sind keine meditativen Naturbilder, sondern urbane Miniaturen: scharf beobachtet, manchmal spöttisch, manchmal überraschend zart. Ein Dichter zwischen Pose und Verletzlichkeit, zwischen Großstadtrausch und stiller Melancholie.



