Der Fuji in 11 klassischen Haiku

Der Berg Fuji in 11 klassischen Haiku

Der Fuji ist immer da. Man sieht ihn oder nicht – je nach Wetter, Jahreszeit, Laune des Himmels. Aber er ist da. Vielleicht ist das der Grund, warum die Haiku-Dichter ihn so oft beschwören: nicht als Sehenswürdigkeit, sondern als stille Gewissheit am Horizont.

Manchmal erscheint er plötzlich, wenn der Herbsthimmel aufklart. Manchmal bleibt er verborgen im Niesel – und auch das ist ein Gedicht wert. Er spiegelt sich im Kübelwasser, er lockt die Schnecke, er begleitet den ersten Tabak eines Zwanzigjährigen. Der Berg ist Maßstab und Mitspieler zugleich. Ohne den Fuji konnte Japan nicht sein.

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Nebel – 12 geheimnisumwitterte Haiku

Haiku mit Nebel

Nebel löst die Welt auf. Was eben noch fest war – ein Berg, ein Gesicht, eine Hand – wird weich, verschwimmt, verschwindet. Der japanische Begriff »oboro« beschreibt diesen Zustand: nicht ganz Dunst, nicht ganz Schleier, etwas dazwischen. Ein Frühlingswort, obwohl der Nebel keine Jahreszeit kennt.

Haiku-Dichter liebten den Nebel, weil er das Unausgesprochene sichtbar macht. Was im Dunst verschwindet, gewinnt an Bedeutung. Der Abschied wiegt schwerer, wenn die winkende Hand verblasst. Der Mond leuchtet sanfter, wenn er durch Schleier scheint. Der Nebel nimmt nichts weg – er verwandelt.

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12 Haiku durch die Jahreszeiten – Ein Jahr in Versen

Ein Jahr in 12 Haiku – Japanische Verse durch die Jahreszeiten

Ein Jahr lässt sich in zwölf Versen erzählen. Die alten Haikudichter in Japan taten genau das – nicht als Zusammenfassung, sondern als Begleitung. Jede Jahreszeit brachte ihre eigenen Bilder mit, ihre eigenen Stimmungen.

Der Frühling mit seinen Blüten und dem ersten Vogelruf. Der Sommer mit Hitze, Flüssen und langen Nächten. Der Herbst mit fallenden Blättern und kühler werdenden Winden. Der Winter mit Schnee, Stille und dem Warten auf Wärme.

Diese zwölf Haiku führen in neuer Übersetzung einmal durch das Jahr. Nicht weil sie so geplant wären, sondern weil das Jahr selbst eine Ordnung hat, die sich in den Versen widerspiegelt.

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Chiyo-jo (1703–1775) – Eine berühmte Haikudichterin

Chiyo-jo – Haikudichterin aus der Edo-Zeit

Der Eimer hängt fest. Die Ranken der Trichterwinde haben ihn umschlungen, als hielten sie ihn gefangen. Chiyo-jo steht barfuß am Brunnen, das Wasser braucht sie trotzdem. Sie lächelt, dreht sich um und geht zum Nachbarn. So entstehen drei Zeilen, die in Japan jeder kennt – aus einer Geste, die ebenso poetisch ist wie praktisch.

Chiyo-jo (千代女, 1703–1775) war die bedeutendste Dichterin der Edo-Zeit. Sie hinterließ über 1.700 Haiku, malte Haiga und wurde zu Lebzeiten von Yosa Buson um ein Vorwort für eine Anthologie gebeten.

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Der Buddha im Haiku – 14 berührende Beispiele

Der Buddha im Haiku - 14 berührende Beispiele

Buddha kam im 6. Jahrhundert nach Japan, zusammen mit Sutren, Statuen und einer neuen Vorstellung vom Tod. Anders als im Westen, wo Religionen einander verdrängen, fand der Buddhismus seinen Platz neben dem Shinto – nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung. Die alten Götter blieben für das Leben zuständig: Geburt, Ernte, Reinheit. Buddha kümmerte sich um das, was danach kommt.

Mit der Zeit wurde er alltäglich. Nicht im Sinne von banal, sondern von gegenwärtig. Buddha-Statuen standen an Wegkreuzungen, in Tempelhöfen, in Hausnischen. Man brachte Reis, zündete Räucherstäbchen an, verbeugte sich im Vorbeigehen. Eine Geste, keine Theologie. Die Dichter sahen das: den abblätternden Lack, den kalten Opferreis, die Libelle, die den Erleuchteten anstarrt, als wäre er ein Stein unter Steinen.

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