
In den Händen geschickter Dichter verwandelten sich die kargen Winterlandschaften in poetische Meisterwerke. Mit wenigen Worten gelang es ihnen, die Essenz des Winters einzufangen – das Geräusch des Schnees unter den Füßen, das sanfte Glitzern der Eiszapfen im Mondlicht, die Stille, die sich über das Land legt.
Zwanzig Winterhaiku, Zeugnisse einer Zeit, in der die Menschen noch eng mit den Rhythmen der Natur verbunden waren.
Hundert Meilen weit der Frost,
Yosa Buson (1716–1784)
vom Sake temperiert –
gehört der Mond jetzt mir.
Winterregen –
Matsuo Bashō (1644–1694)
angespannt wartet die Kiefer
auf den Schnee.
Frostmond –
Masaoka Shiki (1867–1902)
über einem kahlen Baum
ein einzelner Stern.
Mit Töpfen in der Hand
Yosa Buson (1716–1784)
über die Brücke von Yodo –
Frauen im Schnee.
Der erste Schnee –
Kobayashi Issa (1763–1828)
im Sake-Laden
liegt das Glück gleich nebenan.

Eine Laterne
Masaoka Shiki (1867–1902)
tritt in die Hütte ein –
winterkarge Steppe.
Frostklare Nacht.
Masaoka Shiki (1867–1902)
Der Mond wirft blaue Schatten
auf den weißen Schnee.
Frostmorgen –
Kobayashi Issa (1763–1828)
die Holzkohle knackt und knistert
in sprühender Laune!
Im Frost verdorrt –
Matsuo Bashō (1644–1694)
doch immer noch in Blüte,
die letzten Blumen!
Wie ich sie hasse –
Matsuo Bashō (1644–1694)
doch wenn Schnee fällt,
ist sogar die Krähe schön.

Der erste Schnee –
Matsuo Bashō (1644–1694)
gerade so viel, die Blätter
der Narzisse zu biegen.
Hingestreckt der Fluss
Nozawa Bonchō (1640–1714)
wie eine einzige Linie –
in der verschneiten Ebene.
Kälter als Schnee –
Naitō Jōsō (1662–1704)
die weißen Haare
unter dem Wintermond.

Frühlingsschnee fällt –
Taneda Santōka (1882–1940)
die Frauen sind
wirklich schön.
Im Winterwind –
Kobayashi Issa (1763–1828)
ein Schwein kichert
im Schlaf.
Zarter Schnee –
Kobayashi Issa (1763–1828)
Neujahrsfreude überall
in den Herzen.

Der erste Schnee
Yosa Buson (1716–1784)
fällt von den Zweigen –
Mond über dem Bambus.
Zwischen Leben und Tod
Taneda Santōka (1882–1940)
fällt Schnee –
unaufhörlich.
Die Einsamkeit,
Kobayashi Issa (1763–1828)
ich verstehe sie –
doch der Frost am Fenster …
Zwanzig Winterhaiku, zwanzig Augenblicke der Kälte und Stille. Die alten Meister fanden im Winter nicht nur Frost, sondern auch Wärme – im Sake-Laden nebenan, in der knisternden Holzkohle, in der Schönheit einer Krähe im Schnee.

Werkstattbericht
Die Grafiken wurden von DALL-E und dem Microsoft Designer via Bing generiert.


