Ryokan Taigu – 15 zeitlose Zen-Haiku

Ryokan Taigu – 15 zeitlose Zen-Haiku

Ryokan Taigu (1758–1831) war ein japanischer Zen-Mönch, Dichter und Kalligraph, bekannt für seine Einfachheit und Nähe zur Natur. Er lebte zurückgezogen und wurde für seine unkonventionelle, freigeistige Lebensweise geschätzt. Mehr über ihn in der Wikipedia.

Ryokan verband tiefe Spiritualität mit Einfachheit und zeitloser kindlicher Freude. Seine Gedichte behandeln Natur und Zen-Themen mit einer schlichten, tiefgründigen Perspektive auf das Leben. Die Welt ist eben auch nur eine Kirschblüte.

Hier sind fünfzehn seiner besten Haiku.

Wenn ich wählen dürfte …
unter Kirschblüten schlafen –
nur für eine Nacht.

Ryokan Taigu (1758–1831)

Im Abend verweilen,
auf einem Kissen aus Gras –
fernab von Zuhaus.

Ryokan Taigu
Ryokan Taigu Portrait

Offenes Fenster,
die Vergangenheit kehrt zurück –
besser als ein Traum.

Ryokan Taigu

Im Herbstwind,
allein dastehend –
eine einsame Erscheinung.

Ryokan Taigu

Die »einsame Erscheinung« im Herbstwind könnte Ryokan selbst meinen – oder ein Baum, eine Pflanze, eine Person. Diese Offenheit ist typisch für seine Poesie: Er lädt ein, eigene Assoziationen zu entwickeln.

Der Frühlingsregen,
sanft streichelt er
die alte Kürbisflasche.

Ryokan Taigu

Die Kürbisflasche ist ein traditionelles Gefäß aus getrocknetem, ausgehöhltem Kürbis. Sie symbolisiert Vergänglichkeit und Bescheidenheit – Qualitäten, die in der Zen-Philosophie eine zentrale Rolle spielen. Wer diese Stimmung mag: In Haiku, die uns glücklich machen gibt es ein Kapitel über »Einfachheit und Gelassenheit«.

Feuer holen,
die Brücke überschreiten –
Herbstregen in der Dämmerung.

Ryokan Taigu

Das Reisboot –
es nimmt Kurs
auf den Sichelmond.

Ryokan Taigu
Ryokan Taigu Haiku

Kaki pflücken –
eiskalte Kleinodien
im Herbstwind.

Ryokan Taigu

Die eiskalten Kleinodien bewahren die Doppeldeutigkeit des Gedichts: Einerseits die glänzenden Kakis, andererseits eine humorvolle, körperliche Interpretation.

Still und unbewegt,
vom Dezember weiß er nichts –
der Yahiko-Berg.

Ryokan Taigu

Der Dezember (Shiwasu) gilt in Japan als hektisch – Zeit der Jahresendvorbereitungen. Der Yahiko-Berg, ein heiliger Ort in der Präfektur Niigata, steht im ruhigen Gegensatz dazu.

Ein Dieb greift zu,
im Fenster bleibt zurück –
der Mond.

Ryokan Taigu

Der Dieb kann physische Dinge rauben, doch der Mond bleibt unberührt. Ein Bild von Verlust und Trost zugleich.

Aus dem Traum erwacht,
ich höre Frösche –
entfernter Klang!

Ryokan Taigu

Die Welt
wird zur Kirschblüte –
oh ja!

Ryokan Taigu

Fallende Kirschblüten –
auch die übrigen sind
fallende Kirschblüten.

Ryokan Taigu

Selbst die Blüten, die noch bleiben, werden bald fallen. Die Wiederholung verstärkt die Unausweichlichkeit dieses Zyklus.

Ihre Rückseiten zeigen sie,
dann ihre Vorderseiten –
fallende Ahornblätter.

Ryokan Taigu

Regen fällt,
wie ergriffen er ist –
der Mönch Ryokan.

Ryokan Taigu
Ryokan Taigu Haiku

Fünfzehn Haiku, fünfzehn Augenblicke der Stille. Ryokan findet im Herbstwind, im Mondlicht, im fallenden Blatt die ganze Welt – und lässt sie uns sehen.

Werkstattbericht

bluetenschmetterlinge

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