18 magische Haiku über den Mond von Basho

18 magische Haiku über den Mond von Matsuo Bashō

Der Mond gilt als Symbol der Einsamkeit und der Kontemplation. Ein einzelner Mensch, der in der Nacht den Mond betrachtet – das kommt oft im Haiku vor. Eine solche Szene erzeugt Ruhe und Frieden. Die Betrachtung des Mondes verbindet uns mit der Natur und dem Kosmos.

Im Haiku symbolisiert der Mond (Tsuki) die Vergänglichkeit des Lebens – ein japanisches Konzept, das als Mono no aware bekannt ist. Achtzehn Mondhaiku von Matsuo Bashō.

Der Mond, die Blumen –
sie sind wohl die wahren
Meister.

Matsuo Bashō (1644–1694)

Hier erkennt man seine Bescheidenheit und tiefe Verbundenheit zur Natur. Während die Menschen ihn als großen Dichter verehren, erinnert er daran, dass die wahre Meisterschaft in den einfachen, zeitlosen Erscheinungen der Natur liegt.

Herbstvollmond –
um den Teich wandernd,
die ganze Nacht.

Matsuo Bashō

Herbstvollmond –
bis ans Tor hebt sich
die steigende Flut.

Matsuo Bashō

Die Position von Bashōs Hütte nahe der Mündung des Sumida-Flusses spielt eine Rolle – der Herbstmond wird mit dem Kommen der Flut verbunden, ein natürlicher Kreislauf.

Mondhaiku von Bashō

Herbstvollmond –
er erhebt sich über
die 51 Gesetze.

Matsuo Bashō

Die 51 Gesetze könnten auf das Regelwerk eines Feudalherren anspielen. Der Mond, Symbol für Ewigkeit und universelle Harmonie, bleibt unberührt von den Gesetzen der Menschen.

Süßkartoffelblätter –
auf den Mond warten,
am Dorf verbrannte Felder.

Matsuo Bashō

Für eine Weile
über den Blumen –
Mondnacht!

Matsuo Bashō

Herrlich schlicht! Der Mond bleibt ein stiller Beobachter, der Moment wirkt wie ein zartes Gleichgewicht zwischen Präsenz und Vergänglichkeit.

Der Mond leitet dich –
komm, tritt ein,
in die Herberge!

Matsuo Bashō

Yoshinakas
Berg des Erwachens –
ein trauriger Mond?

Matsuo Bashō

Minamoto no Yoshinaka (1154–1184) war ein prominenter Militärführer der Heian-Zeit, eine tragische Figur der japanischen Geschichte. Der Berg des Erwachens ist ein symbolischer Ort, der mit Reflexion und Trauer in Verbindung gebracht wird.

Die Reisighütte –
der Mond wie immer,
Amida-Mönch.

Matsuo Bashō

Amida bezieht sich auf den Amitabha-Buddha, der in der buddhistischen Tradition als Buddha des unermesslichen Lichts verehrt wird.

Sommermond –
von Goyu kommend,
geht er über Akasaka auf!

Matsuo Bashō

Die Tōkaidō-Straße war eine der fünf Hauptstraßen des alten Japans und verband Edo (Tokio) mit Kyōto. Goyu war die 35. Poststation, Akasaka die 36.

In meinem Buch Haiku für jeden Tag gibt es ein ganzes Kapitel über Abendstimmung und Nacht.

Mondhaiku von Bashō

Der Mond ist schnell –
noch halten die Baumkronen
den Regen.

Matsuo Bashō

Der Mond ist klar –
Knaben mit ihren Begleitern,
erschrecken vor einem Fuchs.

Matsuo Bashō

Der Fuchs (Kitsune) ist ein Wesen, das in der japanischen Folklore als listig und magisch gilt.

Es gibt keinen Mond –
und des Regens wegen
auch kein Sumo.

Matsuo Bashō

Herbstvollmond –
am Fuß des Berges Nebel,
über den Reisfeldern Dunst.

Matsuo Bashō

Den Mond zu betrachten,
es genügt nicht –
Sommer in Suma.

Matsuo Bashō

Die Betrachtung des Mondes, normalerweise eine Quelle der Ruhe, reicht hier nicht aus, um eine innere Sehnsucht zu stillen.

Weißer Mond –
im Dezember erwacht Shiro
aus seinem Schlaf.

Matsuo Bashō

Weißer Mond –
die Hände an den Knien,
die Nacht ist still.

Matsuo Bashō

Die Hände an den Knien bedeuten eine Meditationshaltung.

Krakenkrüge –
nur flüchtige Träume
unterm Sommermond.

Matsuo Bashō

Die Tonkrüge wurden traditionell zum Fangen von Oktopussen verwendet. Ihre Träume könnten die letzten verzweifelten Gedanken der gefangenen Tiere sein, während der Sommermond ungerührt über ihnen scheint.

Mondhaiku von Bashō

Achtzehn Monde, achtzehn Stimmungen. Bashō zeigt den Mond als stillen Begleiter, als Zeuge menschlicher Einsamkeit, als Symbol für das, was bleibt, wenn alles andere vergeht.

Über Matsuo Bashō

Matsuo Bashō (1644–1694) gilt als einer der größten Dichter Japans und Meister des Haiku. Er führte ein einfaches Leben und fand Inspiration in der Natur und im Alltag. Seine Gedichte fassen das Vergängliche und das Ewige in wenigen Worten. Mehr: Matsuo Bashō – Leben, Werk und Bedeutung

Bashōs Leben wurde sogar schon verfilmt, in der Schweiz: Die Reise des Bashō.

Werkstattbericht

bluetenschmetterlinge

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