
Kirschblüten sind nicht nur ein Klassiker im Haiku, sie sind das Frühlingsthema schlechthin. Mehr Frühling geht einfach nicht. In Japan bewundert man die Blüten, feiert sie jedes Jahr, indem man unter ihnen picknickt und trinkt.
Die Kirschblüte steht für das Schöne, das nur einen Augenblick währt. Sie ist Symbol für den Glanz eines einzigen Moments. Das passt zum Haiku. In drei Zeilen kann so ein klassisches japanisches Poem ein ganzes Leben spiegeln – und oft ist es das Leben der Blüten selbst, das in ihnen aufleuchtet.
Jedes Jahr im April erscheinen sie aufs Neue und verzaubern mit ihrer zarten Pracht. Im Haiku hat das tiefe Spuren hinterlassen. Kirschblüten gehören zu den beliebtesten Sujets. Das war früher so, das ist heute nicht anders. Kirschblüten inspirieren Dichter und Träumer, Wanderer und Verliebte. Und Leser. Hier sind 14 Kurzgedichte großer Meister.
hatsu-zakura orishimo kyo wa yoki hi nari
Matsuo Bashō (1644–1694)
Die ersten Kirschblüten –
zufällig heute,
so ein schöner Tag!
sakura chiru nawashiro mizu ya hoshizuki yo
Yosa Buson (1716–1784)
Kirschblüten fallen –
im Wasser der Reissetzlinge
Mond und Sterne.
Yozakura ya bijin ten kara kudaru tomo
Kobayashi Issa (1763–1828)
Nächtliche Kirschblüten –
als wenn die Schönheit
vom Himmel stiege.
kinou hana asuwo momijiya kyouno tsuki
Yosa Buson, 1768
Gestern Kirschblüten,
morgen Ahornlaub,
heute der Mond.

tsukuzuku to kawazu ga me ni mo sakura kana
Kobayashi Issa
Vollauf versunken –
selbst in den Augen des Frosches
nur Kirschblüten!
世の中はさくらの花になりけり
Ryokan Taigu (1758–1831)
yo no naka wa / sakura no hana / ni nari keri
Die Welt
wird zur Kirschblüte –
oh ja!
同じくばはなのもとにて一とよねむ
Ryokan Taigu
onajiku ba / hana no moto nite / hitoyo nen
Wenn ich wählen dürfte …
unter Kirschblüten schlafen –
nur für eine Nacht.
Ich habe es auch als Video umgesetzt …
hito koishi hitoboshi koro wo sakura chiru
Kaya Shirao (1738–1791)
Ein Hauch von Einsamkeit –
die Lichter flammen auf,
Kirschblüten fallen.
fune yosete sakura nusumu ya tsukiyo kage
Tan Taigi (1709–1771)
Ein Boot legt an –
heimlich Kirschblüten stehlen
im Mondscheinschatten.
koe yokuba / utao mono o / sakura chiru
Matsuo Bashō
Hätte ich eine Stimme,
würde ich für sie singen –
fallende Kirschblüten.
asagi chō areba asagi no sakura kana
Kobayashi Issa, 1821
Blassblauer Schmetterling –
plötzlich in derselben Farbe,
die Kirschblüten!
なければないで、さくら咲きさくら散る
Taneda Santōka (1882–1940)
nakereba nai de sakura saki sakura chiru
wenn nicht dann nicht –
Kirschblüten blühen
Kirschblüten fallen
yukuharuya shunjuntoshite osozakura (1782)
Yosa Buson
Schwindender Frühling,
noch zögert er –
die letzten Kirschblüten.
Hito koishi hitomoshi goro wo sakura chiru
Kaya Shirao
Ich sehne mich nach Gesellschaft –
jetzt, wo es alle fühlen,
fallen die Kirschblüten.

Es ist, wie es ist; und Kirschblüten sind, was sie immer waren. Ein Symbol für den Frühling, und den Anfang. Such dir ein Haiku aus. Eines, das du behältst, mitnimmst – für den Moment, an dem es passt.
Werkstattbericht
Die Grafiken wurden von DALL-E und dem Microsoft Designer via Bing generiert.


