
Schnee wirkt im Haiku wie ein natürlicher Filter, der die Welt zugleich beruhigt und schärft. Er macht Geräusche dünner, Licht klarer und Gedanken unmittelbarer. In der japanischen Dichtung gilt er seit Jahrhunderten als Moment, in dem Wahrnehmung sich neu sortiert.
Der Verlust von Farbe zwingt dazu, Formen, Stimmungen und flüchtige Regungen deutlicher zu sehen. Schnee schafft außerdem eine eigentümliche Gleichheit: Alles erhält denselben Überzug, nichts sticht hervor, nichts bleibt verborgen.
Für Haiku ist das ideal. Schnee schenkt Konzentration. Er reduziert die winterliche Welt auf wenige Linien, wenige Bewegungen, wenige Töne. In dieser reduzierten Landschaft werden Emotionen, Einsamkeit, Freude oder Staunen nicht größer, aber sichtbarer. Hier sind 14 originale Schneehaiku für dich.



