Letzter Pinselstrich am von Lenny Löwenstern – Drei Zeilen, ein Augenblick
Die Libelle (Tombō) hat in Japan eine kulturelle Bedeutung. Sie wird als Symbol für Mut, Glück und Erfolg betrachtet, weil sie sich im Flug nicht rückwärts bewegt. Im Haiku taucht sie häufig auf – die fliegenden Juwelen mit den großen Augen haben die alten Japaner seit jeher beeindruckt.
Hier sind zwanzig staunenswerte Exemplare von Kobayashi Issa.
Letzter Pinselstrich am von Lenny Löwenstern – Drei Zeilen, ein Augenblick
Der Weg des Haiku ist jener der leichten Schritte. Wie ein Reisender mit bloßen Füßen über feuchte Steine tritt, so bewegen sich die Worte – behutsam, ohne zu viel zu wollen. Ein Vers ist genug, um den Himmel zu öffnen; eine Zeile reicht, um den Wind zu hören.
Diese Sammlung ist für all jene, die Worte wie Kiesel ins Wasser werfen und den Kreisen nachschauen. Für diejenigen, die einen Gruß nicht mit vielen, sondern mit wenigen Worten übermitteln – dafür mit umso mehr Bedeutung.
Letzter Pinselstrich am von Lenny Löwenstern – Drei Zeilen, ein Augenblick
Was sind eigentlich diese winzigen japanischen Gedichte, die man Haiku nennt? Man begegnet ihnen öfter – entweder als jahrhundertealte Originale oder in moderner westlicher Form. Jeder kann sie lesen. Doch nur die besten Haiku verheißen Glück auf die Schnelle.
Das Haiku ist eine der kürzesten, der ältesten und zugleich schlichtesten Formen der Dichtung. Es nimmt sich flüchtiger Momente an – wie ein Fenster, das sich für einen Augenblick öffnet.
Letzter Pinselstrich am von Lenny Löwenstern – Drei Zeilen, ein Augenblick
Katzen tauchen in Issas Versen auf wie selbstverständlich. Sie schlafen auf Fächern, wetzen Krallen an Winterdecken, verschwinden in Moskitonetzen. Sie sind keine Symbole, keine Metaphern – sie sind einfach da. Und genau das macht sie so gegenwärtig.
Issa beobachtete das Kleine, das Übersehene. Die Katze, die sich unter dem Vordach wäscht. Den Streuner, der nachts auf Brautschau geht. Das Tier, das beim Jahresendfest selbstverständlich Platz nimmt, als gehöre es zur Familie. In diesen Haiku steckt kein Urteil, keine Moral – nur Zuneigung und ein leises Schmunzeln.
Zwanzig Haiku, zwanzig Szenen mit Samtpfoten. Manche spielen im Sommer, andere im tiefsten Winter. Alle zeigen Issas Blick: liebevoll, genau, nie sentimental.
Letzter Pinselstrich am von Lenny Löwenstern – Drei Zeilen, ein Augenblick
Ryokan Taigu (1758–1831) war ein japanischer Zen-Mönch, Dichter und Kalligraph, bekannt für seine Einfachheit und Nähe zur Natur. Er lebte zurückgezogen und wurde für seine unkonventionelle, freigeistige Lebensweise geschätzt. Mehr über ihn in der Wikipedia.
Ryokan verband tiefe Spiritualität mit Einfachheit und zeitloser kindlicher Freude. Seine Gedichte behandeln Natur und Zen-Themen mit einer schlichten, tiefgründigen Perspektive auf das Leben. Die Welt ist eben auch nur eine Kirschblüte.