14 Haiku mit Schnee in deutscher Übersetzung

14 Haiku mit Schnee in deutscher Übersetzung

Schnee wirkt im Haiku wie ein natürlicher Filter, der die Welt zugleich beruhigt und schärft. Er macht Geräusche dünner, Licht klarer und Gedanken unmittelbarer. In der japanischen Dichtung gilt er seit Jahrhunderten als Moment, in dem Wahrnehmung sich neu sortiert.

Der Verlust von Farbe zwingt dazu, Formen, Stimmungen und flüchtige Regungen deutlicher zu sehen. Schnee schafft außerdem eine eigentümliche Gleichheit: Alles erhält denselben Überzug, nichts sticht hervor, nichts bleibt verborgen.

Für Haiku ist das ideal. Schnee schenkt Konzentration. Er reduziert die winterliche Welt auf wenige Linien, wenige Bewegungen, wenige Töne. In dieser reduzierten Landschaft werden Emotionen, Einsamkeit, Freude oder Staunen nicht größer, aber sichtbarer. Hier sind 14 originale Schneehaiku für dich.

Winterregen –
angespannt wartet die Kiefer
auf den Schnee.

Matsuo Bashō (1644–1694)

Der erste Schnee –
gerade so viel,
die Blätter der Narzisse zu biegen.

Matsuo Bashō

Der erste Schnee fällt
von den Zweigen –
Mond über dem Bambus.

Yosa Buson (1716–1784)
Schnee Haiku Schaubild

Zarter Schnee –
Neujahrsfreude überall
in den Herzen.

Kobayashi Issa (1763–1828)

Ein höflicher Besuch –
Neuschnee kommt,
Neuschnee geht.

Kobayashi Issa

Bleibe ich stehen,
fällt der Schnee noch dichter –
auf dem nächtlichen Weg.

Takai Kitō (1741–1789)

Durch die Einsamkeit
fällt bodenlos
der Schneeregen.

Naitō Jōsō (1662–1704)

Schneeriesel –
die Spuren verschwinden,
der Weg bleibt.

Chiyo-jo (1703–1775)

Selbst sein Fallen vergisst man –
die Stille
des Schnees!

Fujimori Sobaku (1758–1821)

Schnee fällt auf Schnee –
in der Stille
bin ich.

Taneda Santōka (1882–1940)

Die Helligkeit des Schnees
füllt das Haus –
Stille.

Taneda Santōka

Ich wache auf, Schnee fällt –
nicht, dass ich einsam wäre …

Taneda Santōka

Nachtschnee –
die schlafenden Häuser
weißer denn je.

Yosa Buson

Ein einsames Haus –
von niemandem bemerkt
im Schnee versunken.

Natsume Sōseki (1867–1916)

Hintereinander aufgereiht –
Berge mit Schnee,
Berge eben.

Nozawa Bonchō (1640–1714)

Mit Töpfen in der Hand
über die Brücke von Yodo –
Frauen im Schnee.

Yosa Buson

Yodo war eine Poststation südlich von Kyōto, an der Mündung dreier Flüsse gelegen. Die Brücke dort galt als belebt – Händler, Reisende, Frauen auf dem Weg zum Markt. Buson fängt einen Augenblick dieser alltäglichen Geschäftigkeit ein, verwandelt durch den fallenden Schnee.

Der Lauf der Dinge –
wer nichts versteht,
betrachtet den Schnee.

Masaoka Shiki (1867–1902)

Vielleicht hat der Schnee alle Antworten. Vielleicht macht zu langes Schauen blind. Oder es meint einfach: wegsehen, wenn man nicht weiter weiß.

Werkstattbericht

Die Grafiken wurden von DALL-E und dem Microsoft Designer via Bing generiert.

Facebook Logo

Übersetzerhinweis

Wie ich übersetze
Die Übersetzungen stammen von Lenny Löwenstern. Jede Zeile wurde sorgsam bearbeitet – nicht automatisch, sondern mit viel Sprachgefühl und modernen Werkzeugen. Ziel war, das Wesen der japanischen Originale zu bewahren – in einer Weise, die heute berührt.
bluetenschmetterlinge

NEWSLETTER! HAIKU FÜR DICH

Melde dich an und erhalte jeden Sonntag ein Haiku in dein Postfach, einfach so und leicht wie ein Schmetterling. Mit Haiku-Überraschung (PDF).

Kostenlos. Jederzeit abbestellbar. Wir senden keinen Spam!

Über diese Seiten

Hoshitori Haiku, das sind Haiku für Dich. Klassische japanische Dreizeiler in neuer deutscher Übersetzung von Lenny Löwenstern.

Der Haiku Wanderer

Sie wirken wie Wellness. Aber sie meinen es ernst! 300 Haiku, die uns glücklich machen!

Kann nicht anders, als zu pfeifen –
der Morgen, der Wald,
so blau!

Ozaki Hōsai (1885–1926)

Diese Haiku sind älter als Instagram – und besser. Japanische Klassiker, neu übersetzt. Lachen, staunen, leben lassen. Drei Zeilen – und die Welt sieht plötzlich anders aus.

Keine Sprüche. Keine Glückskekslyrik. Dieses Buch zeigt, was Haiku wirklich sind und wie sie wirken: kurz, klar, lebendig – und voller echter Freude.

Fast Vollmond –
heute Nacht, mit neununddreißig,
bin ich wieder Kind.

Matsuo Bashō (1644–1694)

Ein Haiku ist kein Rätsel. Es braucht keine großen Worte. Es fängt einen Moment ein – klar, direkt, lebendig. Wer Haiku liest, sieht die Welt anders: mit offenem Blick und einem offenen Herzen.

Dieses Buch versammelt 300 klassische Haiku von 29 Autoren – mal heiter, mal zart, oft überraschend. Es ist kein Lehrbuch, sondern eine Einladung zum Staunen, Schmunzeln und Wiederentdecken.

Haiku – Die Poesie des Augenblicks

Haiku zeigen, was im Alltag leicht verloren geht: das Glitzern einer Wasserfläche, das Spiel eines Falters, das Lachen eines Kindes. Kein Zuckerguss – sondern echte, klare Freude.

Für alle, die das Leben spüren wollen – in seiner leichten, warmen, wahren Art.

Auf dem Rücken
der Reispflanzerin schläft
ein kleiner Falter.

Kobayashi Issa (1763–1828)

Herausgegeben und neu übersetzt von Lenny Löwenstern. Erschienen im April 2025. Leseprobe mit Originalhaiku aus dem Buch zum Download (PDF).

Buchabbildung: Haiku, die uns glücklich machen!

eBook & Digital

Amazon KDP — 6,99 €
Tolino (alle Shops, z. B. Thalia und andere)
Google Play, iTunes
Etsy (PDF)

Taschenbuch (Print)

Überall im guten Buchhandel und in allen Online-Shops.
Oder im BoD Shop
Sternenvogel Verlagsgesellschaft mbH
Edition Hoshitori
ISBN: 978-3-911889-00-1
190 Seiten, 14,99 €