11 Haiku über die Weite der Felder – Landleben im alten Japan

11 Haiku über die Weite der Felder – Landleben im alten Japan

Felder waren das Rückgrat des alten Japan. Reisfelder, Buchweizenäcker, Gemüsebeete – sie prägten die Landschaft und den Rhythmus des Lebens. Die wandernden Dichter zogen an ihnen vorbei, rasteten an ihren Rändern, beobachteten die Bauern bei der Arbeit. Was sie sahen, hielten sie in drei Zeilen fest.

In diesen Haiku sind die Felder nie nur Kulisse. Sie atmen mit den Jahreszeiten, spiegeln den Himmel, nehmen die Stimmungen der Menschen auf. Manchmal stehen sie für Weite und Freiheit, manchmal für Einsamkeit. Oft für beides zugleich.

Herbstvollmond –
am Fuß des Berges Nebel,
über den Reisfeldern Dunst.

Matsuo Bashō (1644–1694)

Herbstanfang –
Meer und Reisfelder
ein einziges Grün.

Matsuo Bashō

Der Herbst beginnt – aber noch ist alles grün, vereint in einem letzten, großen Farbton. Eine weite Fläche, in der Meer und Land ineinander übergehen.

Auf der Suruga-Straße –
selbst die Orangenblüten
duften nach Tee.

Matsuo Bashō

Suruga war ein historisches Teeanbaugebiet, bekannt für seine duftenden Felder. Die ganze Landschaft ist vom Tee durchdrungen – sogar die Blüten nehmen seinen Geruch an.

Wenn nur mein Vater hier wäre …
Morgendämmerung über
grünen Reisfeldern.

Kobayashi Issa (1763–1828)

Issas Vater starb, als Issa noch jung war. Die Sehnsucht blieb. Hier bricht sie durch – beim Anblick einer Szene, die der Vater geliebt hätte.

Silbriges Wasser
fließt über die Felder –
Frühlingsmond.

Kobayashi Issa

Im Dorf Kubo –
selbst am Pisshäuschen
blühen Narzissen!

Kobayashi Issa

Die kleinen Holzhütten am Feldrand dienten als Toiletten für die Dorfgemeinschaft. Der Urin wurde als Dünger gesammelt – frühe Kreislaufwirtschaft. Issa findet selbst hier Schönheit.

Einsamkeit der Felder –
nach der Mahd
bleibt die Vogelscheuche.

Yokoi Yayu (1702–1783)

Schlaf, Vogelscheuche!
Heute Nacht wacht der Vollmond
über die Felder.

Yokoi Yayu

Zwei Vogelscheuchen-Haiku vom selben Dichter. Der Samurai unter den Haiku-Dichtern hatte ein Faible für diese stummen Wächter der Felder – und für den Vollmond, der ihre Arbeit übernimmt.

Beim Hacken der Felder –
sogar die Vögel verstummen
im Schatten der Berge.

Yosa Buson (1716–1784)

Mairegen –
zwischen den Feldern
ein einzelner Mensch.

Ōshima Ryōta (1718–1787)

Eine Figur, kaum erkennbar im Regen. Die Felder dehnen sich, der Mensch wird klein. Ein Bild, das an Ukiyo-e-Holzschnitte erinnert.

Haiku, die uns glücklich machen hat ein ganzes Kapitel, das sich um Heimat und Zuhause dreht – und versammelt viele Stimmen, die vom Landleben erzählen.

bluetenschmetterlinge

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