
Wie es einmal gewesen ist, so wird es nie mehr. Das Gefühl nennen wir Wehmut oder Nostalgie. Wir schwelgen in Erinnerungen, selbst wenn es wehtut. Wir denken an Menschen, die nicht mehr da sind, und an Zeiten, die es nicht mehr gibt.
Zehn zarte Verse, die uns den Schmerz spüren lassen, ohne dabei plump und direkt zu sein.
Morgenleeres Haus –
Murakami Kijō (1865–1938)
im Spiegel erblicke ich
das Gesicht meines Vaters.
Wenn nur mein Vater hier wäre …
Kobayashi Issa (1763–1828)
Morgendämmerung über
grünen Reisfeldern.
Pflaumenblütenduft –
Kobayashi Issa
das Haus der Großmutter
kehrt in die Erinnerung zurück.
Löwenzahn fällt –
Taneda Santōka (1882–1940)
unaufhörlich denke ich an
den Tod meiner Mutter.
die Süße
Taneda Santōka
der reifen Kaki –
Großmutter steht vor mir
Dinge ändern sich –
Hattori Ransetsu (1654–1707)
und im Kinderherz
kommt Wehmut auf.
Meine Kinder im Herzen,
Kobayashi Issa
ich verneige mich vor ihnen –
die Nacht ist kalt.
Issa hat dieses Haiku in einer Zeit tiefer Trauer geschrieben – er hatte bereits zwei seiner Kinder verloren. Wahrscheinlich denkt er an seine verstorbenen Kinder, vielleicht segnet er sie innerlich oder betet für sie.
Frau Großmutter
Kobayashi Issa
geht Sake trinken –
was für ein Mond!
Die Alte geht saufen. Issa kriegt es mit, sieht aber betont weg.
Dieser Herbst –
Uejima Onitsura (1661–1738)
kein Kind mehr auf den Knien
beim Mondschauen.
In diesem Jahr sitzt der Dichter allein zwischen den anderen, er ist alt geworden.
Meine verstorbene Mutter –
Kobayashi Issa
jedes Mal, wenn ich das Meer sehe,
wirklich jedes Mal …

Zehn Blicke zurück. Die Familie ist, was sie immer war: unersetzliche Geborgenheit. Such dir ein Haiku aus – eines, das du behältst für den Moment, an dem es passt.
Werkstattbericht
Die Grafiken wurden von DALL-E und dem Microsoft Designer via Bing generiert.


