
Diese Dreizeiler fangen die Essenz des Unterwegsseins ein. Es sind Verse der großen Meister, die einst selbst wanderlustig die Natur durchstreiften; die als Reisende zu Fuß Berge überwanden, einsame Wege abschritten und die beeindruckendsten Momente in Worten festhielten.
Da ich selbst leidenschaftlich gewandert bin, sind mir diese Kurzgedichte nahe. Man kann sie gut nachempfinden, sofort kommen Stimmungen und Erinnerungen auf.
Outdoor Lyrik, Gedichte von Unterwegs
Wer das auch schon einmal gemacht hat, weiß wovon die Rede ist und wird sich in diesen Haiku wiederfinden.
Diese Haiku sind keine Reiseberichte, dazu sind sie zu kurz. Sie sind ein Extrakt, Erinnerungen aus einer Zeit, in der es weder Fotografie noch Handys gab. Auf geht’s: Mit dem Haiku durch Wald und Flur … Siehe auch: Auf den Spuren der Haiku-Meister: Wie man im alten Japan wirklich reiste
Mit dem Mond als Hut
Tagami Kikusha (1753–1826)
könnte ich wandern,
im weiten Himmel der Reise.
Im Mairegen –
Masaoka Shiki (1867–1902)
spärlicher Bewuchs schmiegt
sich an den Bergpfad.
Im Pflaumenblütenduft,
Matsuo Bashō (1644–1694)
plötzlich bricht die Sonne durch
– der Bergpfad!
Eine Reise,
Masaoka Shiki
ein Frühling –
Morgendämmer!
Der alte Handelsweg –
Masaoka Shiki
wo der Anstieg beginnt,
weiße Dornensträucher.

Von Wolken umhüllt,
Masaoka Shiki
nach dem Überqueren des Passes
sind die Ärmel kühl.
Mit tropfendem Hut
Masaoka Shiki
ziehe ich
durch die Berge.
Die Pflaumenblüten duften,
Yokoi Yayū (1702–1783)
die Weiden wiegen sich –
wie immer auf der Reise.
Müde von der Reise –
Matsuo Bashō
ein Quartier suchend,
ach, Blauregenblüten.
Mein Freund,
Kobayashi Issa (1763–1828)
wir passen gut zusammen –
der Bergkuckuck.
Regentropfen fallen
Yosa Buson (1716–1784)
auf den Buschklee –
der Berg bleibt unbewegt.
Zügig voran –
Taneda Santōka (1882–1940)
kein Blick zurück
auf den Weg.
Es gibt nur diesen Weg –
Taneda Santōka
und ich gehe
ihn allein.
Ein Wolf –
Masaoka Shiki
die Hoden des Reisenden
erstarren zu Eis.
Bald auch in unseren Wäldern zu haben …
Im Schatten der Bäume –
Taneda Santōka
der Wind ist da,
mein Wandergefährte.

Im Herbstwind –
Taneda Santōka
ich bin endgültig
zum Wanderer geworden.
Am Wegesrand –
Yosa Buson
von einer Hand verstreut
Buchweizenblüten.
Den Pass überquert,
Masaoka Shiki
jetzt der Weg hinab –
diese Kühle!
Eine kurze Nacht –
Masaoka Shiki
am Stab des Pilgers
dämmert der Morgen.
Selbst unterm Strohumhang
Tagami Kikusha
genieße ich die Reise –
Blütenregen.

Es ist, wie es ist; und das Wandern ist, was es immer war. Befreiend, naturnah und zugleich anstrengend. Such dir ein Haiku aus. Eines, das du behältst, mitnimmst – für den Moment, an dem es passt.
Werkstattbericht
Die Grafiken wurden von DALL-E und dem Microsoft Designer via Bing generiert.


