Haiku Glossar – 19 Begriffe erklärt

Haiku Glossar

Ein Überblick über die wichtigsten Begriffe aus der Welt der Haiku. Traditionelle japanische Konzepte, deren Bedeutung und Anwendung.

Zum Lesen und Genießen von Haiku braucht man diese Begriffe nicht – aber wer die Tradition verstehen will, findet hier die Grundlagen.

Haiku

Eine japanische Gedichtform mit drei Zeilen. Im Japanischen folgt sie dem Muster 5-7-5 Moren (nicht Silben). Sie fängt einen flüchtigen Moment ein, meist aus der Natur. Der Begriff wurde um 1900 von Masaoka Shiki geprägt. Vorher nannte man diese Gedichte Hokku oder Haikai. Als Plural wird ebenfalls Haiku verwendet, Haikus ist auch möglich.

Haijin

Ein Haiku-Dichter. Das Wort setzt sich zusammen aus »hai« (von Haiku) und »jin« (Person). Die vier großen Meister sind Matsuo Bashō (1644–1694), Yosa Buson (1716–1784), Kobayashi Issa (1763–1828) und Masaoka Shiki (1867–1902).

Haibun

Kombiniert Prosa mit einem Haiku. Diese Form beschreibt eine Geschichte oder Szene und führt mit einem Haiku zu einer poetischen Reflexion – eine Verbindung zwischen erzählender und lyrischer Sprache.

Haiga

Eine künstlerische Form, die Haiku mit visuellen Medien wie Malerei oder Fotografie kombiniert. Das Haiku und das Kunstwerk ergänzen sich.

Haigo

Das Pseudonym eines Haiku-Dichters. Bashō bedeutet »Bananenstaude«, Issa »eine Tasse Tee«, Shiki »kleiner Kuckuck«. Diese selbstgewählten Dichternamen werden dem Familiennamen nachgestellt.

Hokku

Der Eröffnungsvers eines Renga, aus dem sich das Haiku entwickelte. Hokku mussten Jahreszeit, Tageszeit und Landschaft erwähnen. Ab dem 16. Jahrhundert schrieb man sie auch als eigenständige Gedichte.

Kanji

Die Schriftzeichen aus der chinesischen Schrift, die in der japanischen Sprache verwendet werden. Sie repräsentieren ganze Wörter oder Konzepte und haben oft mehrere Lesarten.

Haiku Grundlagen Infografik

Kigo

Traditionelle Jahreszeitenwörter, die in Haiku verwendet werden, um eine Verbindung zur Natur auszudrücken. Typische Beispiele sind Kirschblüten für den Frühling oder Schnee für den Winter. Kigo werden in fünf Kategorien eingeteilt: Menschliche Aktivitäten, Jahreszeiten, Wetter und Natur, Flora und Fauna, Feste und Bräuche.

Kireji

Japanische Pausenwörter, die das Haiku strukturieren und eine emotionale oder gedankliche Pause schaffen. Im Deutschen können sie durch Satzzeichen wie Gedankenstrich, Doppelpunkt oder Ellipse wiedergegeben werden.

Renga

Ein traditionelles japanisches Gedicht aus einer Reihe von Strophen, die von verschiedenen Dichtern in einem Gruppenprozess erstellt werden. Der erste Vers (Hokku) ist häufig ein Haiku, das die Atmosphäre für den Rest des Gedichts setzt.

Haiku Glossar

Rōmaji

Die Umschrift der japanischen Sprache in das lateinische Alphabet. Rōmaji (von Rom, römisch) hilft nicht-japanischen Lesern, die japanische Sprache auszusprechen.

Sabi

Ein Konzept, das mit der Schönheit des Verfalls und der Vergänglichkeit verbunden ist. Es drückt die Melancholie und die Schönheit des Unvollkommenen aus.

Saijiki

Eine Sammlung von Kigo, die nach Jahreszeiten und Unterkategorien organisiert ist. Umfassende Sammlungen bringen es auf mehr als 10.000 Wörter.

Senryū

Eine Art von Haiku, die humorvolle, satirische oder ernste Themen behandelt, mit stärkerem Fokus auf die menschliche Natur. Ein Kigo ist nicht erforderlich.

Shasei

Ein Konzept von Masaoka Shiki, das die direkte, wahrheitsgetreue Beobachtung der Natur betont. Es fordert den Dichter auf, Szenen einfach und präzise darzustellen, ohne übermäßige Symbolik.

Silben

Im Japanischen dienen Onji (phonetische Zeichen) zur Bestimmung der Haiku-Struktur: 17 Laute im Muster 5-7-5. Im Westen wird das Muster oft übernommen, jedoch mit Silben gezählt. Ob das 5-7-5-Schema im Deutschen zwingend nötig ist, darüber gibt es verschiedene Ansichten – auch in Japan halten sich längst nicht mehr alle Dichter daran.

Tanka

Ein traditionelles japanisches Gedicht aus fünf Zeilen und 31 Silben. Es erweitert das Haiku und wird oft verwendet, um tiefere Emotionen auszudrücken.

Wabi-Sabi

Eine japanische Ästhetik, die die Schönheit der Unvollkommenheit, der Einfachheit und der Vergänglichkeit betont. Diese Philosophie findet sich oft in Haiku.

Waka

Ein traditionelles japanisches Gedicht mit 31 Silben in fünf Zeilen. Es ist ein Vorläufer des Haiku.

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