
Mach es dir leicht, denn das Leben ist schwer genug. Haikulesen ist eine kleine Erfrischung für Zwischendurch. Diese hier haben zwar kein gemeinsames Thema, aber sie heben uns ein stückweit hoch. Immer geht es um einen Moment des Loslassens, des Schwebens, des Nicht-Gebundenseins.
Diese Haiku erinnern uns daran, dass Leichtigkeit nicht das Gegenteil von Tiefe ist – sondern vielleicht ihre feinste Form. Sie ist die Kunst, da zu sein, ohne zu haften. Wie ein Windzug am Rand des Sommers. Wie ein Drachen, der hoch genug steigt, um aus dem Blick zu verschwinden.
Weiße Papierdrachen
Tan Taigi (1709–1771)
treiben vorüber –
Abenddunst.
Die Schnur reißt –
Uejima Onitsura (1661–1738)
und zu einer Wolke
wurde der Drachen.
Diese Welt –
Kobayashi Issa (1763–1828)
ein leichtes Herz, wie
ein hellblauer Schmetterling.
Die Schwalbe im Nest
Kobayashi Issa (1763–1828)
kümmert sich nicht um
die Frühlingsberge.
Issa – gewiss der kauzigste unter den großen Haikuisten, ein Beobachter mit Herz und Träne zugleich. Dieses Haiku hält beides aus: stille Beobachtung und augenzwinkernde Lebendigkeit.
Der Sommer hebt an –
Yokoi Yayu (1702–1783)
am Kleidergerüst wechselt
der Wind die Farbe.
Im Sommer, wo Kimonos aus helleren, durchlässigen Stoffen getragen werden, könnte man sich vorstellen, dass der Wind durch sie hindurchweht und dabei etwas von ihrer Farbe mitnimmt – nicht in der Wirklichkeit, sondern als Vorstellung.
Als Tanzhonorar lasse ich
Kobayashi Issa (1763–1828)
ein Stück Papier für sie fliegen –
Wiesenschmetterlinge.
Herbstberge –
Natsume Sōseki (1867–1916)
still ziehen die Wolken
vorüber.
Der Futon –
Taneda Santōka (1882–1940)
sanft und schwebend
ein Traum von Zuhaus.
Auf freiem Feld –
Matsuo Bashō (1644–1694)
an nichts gebunden
singt die Lerche.
Die Last des Lebens
Masaoka Shiki (1867–1902)
abgelegt –
Mittagsschlaf!
Werkstattbericht
Die Grafiken wurden von DALL-E und dem Microsoft Designer via Bing generiert.


