
Buddha kam im 6. Jahrhundert nach Japan, zusammen mit Sutren, Statuen und einer neuen Vorstellung vom Tod. Anders als im Westen, wo Religionen einander verdrängen, fand der Buddhismus seinen Platz neben dem Shinto – nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung. Die alten Götter blieben für das Leben zuständig: Geburt, Ernte, Reinheit. Buddha kümmerte sich um das, was danach kommt.
Mit der Zeit wurde er alltäglich. Nicht im Sinne von banal, sondern von gegenwärtig. Buddha-Statuen standen an Wegkreuzungen, in Tempelhöfen, in Hausnischen. Man brachte Reis, zündete Räucherstäbchen an, verbeugte sich im Vorbeigehen. Eine Geste, keine Theologie. Die Dichter sahen das: den abblätternden Lack, den kalten Opferreis, die Libelle, die den Erleuchteten anstarrt, als wäre er ein Stein unter Steinen.
Von der Libelle
Kobayashi Issa (1763–1828)
angestarrt
wird der Buddha!
Im Blüteneimer –
Kobayashi Issa (1763–1828)
lauscht auch der Schmetterling
Buddhas Botschaft?
Issa, selbst aus einer buddhistischen Familie, hatte ein kompliziertes Verhältnis zur Religion seiner Zeit. Er sah die leeren Formeln, die fromme Routine. Aber er sah auch die Frösche auf den Steinen, die wie Betende in einer Reihe sitzen. Für ihn hatte alles Buddha-Natur – auch das Formlose, Niedrige, Vergessene. Das war keine Ironie. Das war sein Ernst.
Schmetterlinge,
Kobayashi Issa (1763–1828)
wie himmlische Wesen –
Buddhas Blumentempel.
Das endlose Geräusch
Taneda Santōka (1882–1940)
des Wassers –
Buddha!
Der Lack ist ab –
Taneda Santōka (1882–1940)
doch der Hotei-Buddha
hört nicht auf zu lachen.
Hotei ist einer der sieben Glücksgötter – der dicke, lachende Buddha mit dem Sack. Hier ist seine Statue verwittert, die Farbe abgeblättert. Aber das Lachen bleibt.
Auch sie preisen Buddha –
Kobayashi Issa (1763–1828)
die Frösche aufgereiht
auf den Steinen.
Herbstwind –
Kobayashi Issa (1763–1828)
die Jahre tragen mich
näher zu Buddha.
Eine vergessene Gabe
Yosa Buson (1716–1784)
vor der Buddhafigur –
kalter Reis.
Die Höflichkeit der
Kobayashi Issa (1763–1828)
Gastfreundschaft –
das Lächeln Buddhas!
Am Fuß der
Kobayashi Issa (1763–1828)
Buddhafigur –
Zikadensingen.
Jungen Tee bereiten,
Tan Taigi (1709–1771)
bei Tagesgrauen aufstehen –
Buddhas Geburtstag.
Buddhas Geburtstag, das Hana-Matsuri am 8. April, wird mit Amacha gefeiert – einem süßen Tee aus Hortensienblättern, mit dem die kleine Buddha-Statue begossen wird.
Treibende Seegurke –
Kobayashi Issa (1763–1828)
Buddhas Lehre breitet sich aus,
so ist es!
Satire und Gleichnis zugleich: Im späten Edo-Japan war der Buddhismus gesellschaftlich etabliert, aber oft geistlich leer. Die Seegurke treibt träge im Wasser – auch sie »schwimmt« im Meer des Dharma. So auch viele, die vom Dharma reden. Aber in Issas Welt bleibt Mitgefühl: Auch die Seegurke gehört zur Buddha-Natur.
Wären sie Menschen,
Kobayashi Issa (1763–1828)
sie hätten Buddha-Natur –
Seegurken!
Spatzenkinder
Kobayashi Issa (1763–1828)
plantschen plitsch platsch
im süßen Tee!
Beim Kanbutsue, Buddhas Geburtstagsfest, wird die kleine Buddha-Statue mit süßem Amacha begossen. Issa beobachtet, wie Spatzenküken sich in der ausgegossenen Flüssigkeit tummeln – eine irdische, verspielte Parallele zur religiösen Handlung.
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