
Haiku sind nicht nur oft traumhaft schön, manchmal handeln sie auch selbst von Träumen. Also dachte ich, versammle ich einige Beispiele. Und hier sind sie.
Es wird traumselig und traumversponnen, versprochen. Und zwar ganz und gar klassisch, auf typisch haikuhafte Weise.
Diese Dreizeiler stammen von alten Meistern und wurden für dich neu übersetzt. Träum weiter!
Ein Schmetterling –
Chiyo-jo (1703–1775)
Spuren eines Traums
im Blumenfeld.
Aus dem Traum erwacht,
Ryokan Taigu (1758–1831)
ich höre Frösche –
entfernter Klang!
Wegdämmern –
Taneda Santōka (1882–1940)
ein Traum von der Heimat,
Schilfblätter rascheln.
Der Futon –
Taneda Santōka
sanft und schwebend
ein Traum von Zuhaus.
Der Traum vergeht nicht –
Chiyo-jo
auf der Tatami blühten
Chrysanthemen heute.
auf dem Fels
Taneda Santōka
eine Libelle –
Mittagsträume
Ein Traum verblasst
Masaoka Shiki (1867–1902)
in der Frühlingsnacht –
die Tänzerin schweigt.
Geweckt wurde er von einer Shirabyoshi, einer Tänzerin, deren Auftritt oft von Musik und Gesang begleitet wurde.
Kein Traumkäufer da,
Yosa Buson (1716–1784)
nicht einmal ein Schmetterling –
Winterpfingstrose.
Die Wendung »Träume kaufen« (yume kaini kuru) kann doppeldeutig sein: Zum einen bedeutet es, dass keiner kommt, um sich inspirieren oder verzaubern zu lassen. Zum anderen spielt es auf die Vergeblichkeit oder Leere eines solchen Wunsches an – als wäre die Welt im Winter für solche poetischen Käufe geschlossen.
Nur schlechte Träume,
Kobayashi Issa (1763–1828)
und alle sind eingetroffen –
der Rabe krächzt.
Ein Traum –
Masaoka Shiki
und auch der war nur
ein Traum im Traum.
Schmetterling, was träumst du,
Chiyo-jo
dass du so mit den
Flügeln zuckst?
Es ist, wie es ist; und der Traum ist, was er immer war. Flüchtig und … Such dir ein Haiku aus. Eines, das du behältst, mitnimmst – für den Moment, an dem es passt.

Werkstattbericht
Die Grafiken wurden von DALL-E und dem Microsoft Designer via Bing generiert.


