
Kannst du nicht schlafen? Baldrian hilft nicht? Musik stört? Dann probiere es mit einem Vers. Haiku sind genau richtig – schnell gelesen und sie beruhigen, ohne anzustrengen.
Elf Schlummergedichte für die Nacht.
So weit ist der Herbsthimmel –
Natsume Sōseki (1867–1916)
ich wünschte, ich könnte
auf einer weißen Wolke reiten.
Mittagsschlaf –
Tan Taigi (1709–1771)
die Hand ruht,
der Fächer fällt.
Auf dem Strohlager –
Kobayashi Issa (1763–1828)
mit dem Fuß zähle ich
die Wolkenberge ab.
Wie eine Wolke
Kobayashi Issa
liege ich da und betrachte …
die Milchstraße.
Der Futon –
Taneda Santōka (1882–1940)
sanft und schwebend
ein Traum von Zuhaus.
Die Sommerabendkühle
Matsuo Bashō (1644–1694)
mache ich zu meinem Zuhause,
ich schlafe ein.
Bis ans Bett
Taneda Santōka
lasse ich das Mondlicht herein
und lege mich schlafen.
Die Wolken nur anschauen
Kobayashi Issa
und aus Versehen einnicken –
Sommerberge.
Issa ist in solchen Momenten ganz Kind, und genau darin liegt seine Größe. Er schaut nicht auf die Natur, sondern ist in ihr, mit ihr, wie sie.
Unter dem hellen Mond
Masaoka Shiki (1867–1902)
ziehen Wolken,
wohin nur?
Durch das Loch in der Wand
Kobayashi Issa
der Vollmond …
behaglich schlafen!
Den Drachen umschlungen,
Kobayashi Issa
hat er geschlafen –
friedlich geborgen.

Tipps fürs Lesen in der Nacht
Nur ein einziges Haiku lesen – nicht blättern, nicht suchen. Am besten vorher auswählen. Gedämpftes Licht nutzen: Rotlicht-Modus auf dem Smartphone, eReader mit Warmton-Display oder eine kleine Leselampe mit Bernstein-LED. Kein Deckenlicht, kein Weiß, kein Blau.
Elf Wolken, elf Monde, elf Wege in den Schlaf. Such dir ein Haiku aus – eines, das du behältst für die Nacht, in der es passt.
Werkstattbericht
Die Grafiken wurden von DALL-E und dem Microsoft Designer via Bing generiert.


