Tokio, 18. September 1902, gegen elf Uhr vormittags. Ein Mann von vierunddreißig Jahren liegt auf dem Rücken und kann sich kaum noch bewegen. Seine Schwester Ritsu hält ihm ein Brett mit aufgeklebtem Papier über das Gesicht, und er schreibt im Liegen drei Haiku. In allen dreien kommt die Luffa vor, die draußen vor der Glastür am Spalier rankt. In der folgenden Nacht ist er tot.
Masaoka Shiki (1867–1902) hat das Haiku in die Moderne geholt. Er war aber auch ein Baseballnarr, ein Vielfraß, ein besessener Sammler, ein streitbarer Kritiker und ein Freund, der sich Geld lieh und es auf der Stelle ausgab. Die letzten sechs Jahre lag er fast nur noch im Bett und schrieb trotzdem jeden Tag. Über Schmerzen, über das Essen, über das, was er durch die Glastür sah.
Herbstregen –
die kranken Augen frieren
am Morgenfenster.aki no ame ya byō no me samuku asa no mado
Masaoka Shiki1867–1902
Ein Kind, das am Feuer hüpft
Geboren wurde er am 14. Oktober 1867 in Matsuyama auf der Insel Shikoku, ein Jahr bevor die Edo-Zeit endete. Der Vater diente dem Fürsten von Matsuyama als Samurai in der berittenen Garde, die Mutter Yae war die älteste Tochter eines konfuzianischen Gelehrten. Als Kind hieß der Junge Tokoronosuke, später Noboru.
1869 brannte das Haus der Familie ab. Shiki erzählt die Szene später so, wie die Mutter sie ihm berichtet hatte. Sie war mit dem Dreijährigen bei den Großeltern, als nachts Feuerrufe kamen. Sie lief mit ihm auf dem Rücken nach Hause und sah das eigene Haus brennen. Sie stand wie gelähmt. Das Kind auf ihrem Rücken aber hüpfte vor Begeisterung und rief das Kinderwort für Laterne. Nur das Tor blieb stehen.
1872 starb der Vater mit vierzig Jahren. Mit fünf war Noboru Familienoberhaupt. Die Mutter hielt die Familie mit Nähunterricht über Wasser.
Die Heulsuse und der Dolch
Ein Held war er nicht. Man habe ihn als Kind ein Weichei und eine Heulsuse genannt, schreibt er selbst. Wenn ihn Mitschüler herumschubsten, weinte er sofort. Bei der Moxa-Behandlung dagegen, bei der Kräuter auf der Haut abgebrannt werden, weinte er nie, die großen Raufbolde schon. Die Mutter erinnerte sich, er sei als Kind ein rechter Schwächling und Hasenfuß gewesen.
Mit zehn oder elf sollte er zu einem Fest beim Onkel einen Dolch tragen, denn ein Mann trägt ein Schwert. Die Mutter lieh ihm ihren eigenen kleinen Dolch. Auf dem Feldweg wollte er ihn ausprobieren, hieb nach einem Grashalm und stach sich in den Knöchel. Er kam weinend nach Hause und wurde gescholten. Die Narbe sah er noch lange. Später, im Krankenbett, konnte er seinen Knöchel nicht mehr sehen.
Er spielte lieber Mädchenspiele, liebte Puppen und den Schmuck zum Sternenfest und nähte sich selbst Bälle. Malen lernen durfte er nicht, so sehr er bat. Mit elf schrieb er seine ersten Gedichte auf Chinesisch und kopierte Bilder von Hokusai. Mit zwölf gab er handgeschriebene Blättchen für seine Freunde heraus.
Meine Heimat –
viele Cousins,
Pfirsichblüten.故郷はいとこの多し桃の花
Masaoka Shiki1867–1902
Ein Schlagmann aus Matsuyama
1883 verließ er die Mittelschule und ging nach Tokio. Er wollte Politiker werden. Eine Stiftung seines alten Fürstenhauses zahlte ihm sieben Yen im Monat. 1884 kam er an die Vorschule der Universität, wo Natsume Sōseki in seinem Jahrgang war. Im Jahr darauf fiel er durch die Prüfung.
Dafür entdeckte er das Baseball. Er spielte es mit Leidenschaft, gründete 1889 einen kleinen Club und spielte im Ueno-Park. 1896 schrieb er in der Zeitung einen langen Artikel über das Spiel und merkte stolz an, für Baseball gebe es noch keine Übersetzung, die Wörter darin habe er sich selbst ausgedacht. Seine Begriffe für Schlagmann, Läufer und Flugball sind in Japan bis heute im Gebrauch. 2002 wurde er in die Ruhmeshalle des japanischen Baseballs aufgenommen. Das japanische Wort für Baseball selbst stammt allerdings nicht von ihm, auch wenn man das oft liest. Er spielte nur damit, dass es sich mit seinem Rufnamen Noboru lesen ließ.
Takahama Kyoshi, später sein wichtigster Schüler, sah ihn zum ersten Mal als Mittelschüler in Matsuyama. An einem Sommerabend kamen Studenten aus Tokio auf den Exerzierplatz unterhalb der Burg und liehen sich Schläger und Ball. Einer schlug erst locker, zog dann das Hemd aus und schlug scharfe Bälle. Kyoshi warf ihm einen weggerollten Ball zurück, und der junge Mann sagte »Verzeihung«. Erst später erfuhr Kyoshi, wer das gewesen war.

Wäre mein Pinsel
ein Schwert –
ich verschlänge es!筆ならハ我ものみこむつるぎ哉
Masaoka Shiki1867–1902
Der Vogel, der Blut spuckt
In der Nacht des 9. Mai 1889 spuckte er plötzlich Blut, eine Woche lang. Die Diagnose lautete Tuberkulose. Er schrieb in diesen Tagen vierzig, fünfzig Haiku über den Kuckuck Hototogisu und nannte sich von da an Shiki. So kann man den Namen dieses Vogels auch schreiben, und vom Hototogisu hieß es, er rufe, bis er Blut spucke. Ein Künstlername als schwarzer Witz über die eigene Krankheit.
Varieté und Lachs
Im selben Jahr begann die Freundschaft mit Sōseki, und zwar über das Varieté, das beide liebten. Shiki legte ihm eine Sammlung eigener Texte zur Kritik vor, Sōseki antwortete mit einem eigenen Heft, und Shiki nannte ihn von da an seinen verehrten Freund.
Sōseki, inzwischen berühmter Romancier, erzählte Jahre später von ihm. Shiki sei nie zum Unterricht gegangen. Vor Prüfungen ließ er sich von Sōseki den Stoff erklären, hörte halb zu und sagte »gut, gut, verstanden«. In Shikis Wohnheim bekam Sōseki immer nur Lachs vorgesetzt und wollte deshalb nicht mehr kommen, worauf Shiki ihn ins westliche Restaurant ausführte. Im Winter nahm Shiki ein Kohlebecken sogar mit aufs Klo, und auf demselben Becken briet er Rindfleisch. Er habe sich mit nichts unter dem General zufriedengegeben, meinte Sōseki. Er stellte ihm ungefragt ein Horoskop auf einer Rolle so lang wie eine Tatami-Matte und schrieb maßlos viele Briefe.
Neben dem Zeitungschef
1892 zog er in Tokio in den Stadtteil Negishi, neben Kuga Katsunan, den Chef der Zeitung »Nippon«. In dessen Blatt begann er eine Serie über das Haiku. Im Sommer fiel er wieder durch eine Prüfung und gab die Universität auf. Im Dezember trat er bei der Zeitung ein, für fünfzehn Yen im Monat, und holte Mutter und Schwester nach Tokio. 1894 zogen sie in das Haus gleich nebenan, das heute als Gedenkstätte erhalten ist. Unter Kugas Schutz blieb er sein Leben lang.
Kyoshi beschreibt seinen Tag. Morgens eine Stunde Arbeit an den Haiku, dann als Langschläfer direkt in die Redaktion, abends im Bett Romane diktieren, oft Kyoshi in die Feder.
Zwanzigtausend Haiku
Shiki war ein Sammler. Jahrelang las er alte Haikusammlungen und ordnete die Gedichte nach Themen und Jahreszeitwörtern, eine riesige Kartei, die nie fertig wurde. Dazu schrieb er unentwegt selbst. Fast zwanzigtausend eigene Haiku sind in seinen Manuskripten erhalten, das Museum in Matsuyama spricht sogar von rund fünfundzwanzigtausend. 1896 allein waren es mehr als dreitausend.
Dreitausend Haiku
Masaoka Shiki1867–1902
habe ich geprüft –
zwei Kakis.
Die Belohnung nach getaner Arbeit. Shiki liebte die Kakifrucht über alles.
Ein Hai an der Reling
Im April 1895 meldete er sich freiwillig als Kriegsberichterstatter und ging nach China, auf die Halbinsel Liaodong. Kurz vor der Abreise erfuhr er, dass sich sein Vetter Kohaku das Leben genommen hatte. In Jinzhou besuchte er den Arzt und Schriftsteller Mori Ōgai, der dort stationiert war, und die beiden redeten jeden Tag über Haiku. Zu berichten gab es nicht viel, der Frieden war bald geschlossen.
Auf der Rückfahrt rief jemand unter Deck, ein Hai! Shiki lief nach oben und spuckte über die Reling, was er für Schleim hielt. Es war Blut. Er schlief mit elf Reportern auf engstem Raum, über ihnen auf einem niedrigen Zwischenboden unterhielten sich zwanzig, dreißig Offiziere lautstark über den Krieg. Die niedrige Decke sei schlimmer gewesen als das Blutspucken, schreibt er. Der einzige Arzt an Bord hatte nur Mittel gegen Cholera. Weil ein Arbeiter an Cholera starb, lag das Schiff eine Woche in Quarantäne, und mangels Gefäß schluckte Shiki das Blut hinunter. In Kobe kam er ins Krankenhaus. Nach einem Telegramm, er schwebe in Lebensgefahr, reisten die Mutter und die jungen Dichter Hekigotō und Kyoshi an.

Unten Shiki, oben Sōseki
Im August 1895 kam er zur Erholung nach Matsuyama. Ein Elternhaus gab es dort nicht mehr. Also zog er bei Sōseki ein, der gerade als Lehrer in der Stadt war und ein Haus gemietet hatte. Shiki wohnte unten, Sōseki oben, zweiundfünfzig Tage lang. Gefragt hatte Shiki nicht, und die Vermieter warnten vor Ansteckung.
Jeden Tag saßen junge Dichter aus der Stadt bei Shiki und dichteten mit ihm. Sōseki machte notgedrungen mit, wie er sagt. Mittags ließ Shiki gegrillten Aal kommen und aß ihn laut schmatzend. Bei der Abreise im Oktober sagte er zu Sōseki »bezahl du das mal« und lieh sich obendrein etwa zehn Yen. Aus Nara schrieb er dann, das Geld sei hier restlos aufgebraucht.

Ich gehe,
du bleibst –
zwei Herbste.行く我にとゞまる汝に秋二つ
Masaoka Shiki1867–1902
Der Dreizeiler wird auf diesen Abschied bezogen. Der eine reist ab, der andere bleibt, und jeder hat nun seinen eigenen Herbst.
Kakis in Nara
In Nara bat er im Gasthof um eine Kakisorte, die er zehn Jahre nicht gegessen hatte. Das Mädchen, sechzehn oder siebzehn Jahre alt, brachte eine Schüssel von fast einem halben Meter Durchmesser, voller Kakis, und schälte sie ihm. Er hielt sie für einen Pflaumengeist. Dann schlug eine Glocke. Das sei die große Glocke des Tōdai-ji, sagte das Mädchen. Kakis und Nara zusammenzubringen, darauf sei vor ihm noch niemand gekommen, schreibt Shiki stolz. Sein berühmtestes Haiku verbindet Kakis mit dem Glockenklang eines anderen Tempels in Nara, des Hōryū-ji. Ob es in diesem Gasthof entstand, sagt keine Quelle.
Seinen Appetit gesteht er gleich mit. Als Student habe er sechs, sieben große Birnen auf einmal gegessen, sieben, acht Kakis, fünfzehn bis zwanzig Mandarinen.

Weißer Buchweizen –
im roten Kakilaub
erstrahlt der Abend.蕎麦白く柿の紅葉に夕栄す
Masaoka Shiki1867–1902
Gegen den Heiligen Bashō
Im Dezember 1895 ging er mit Kyoshi auf einen Hügel in Tokio und bat ihn, sein Nachfolger zu werden. Kyoshi lehnte ab. Shiki machte allein weiter, und er legte sich mit der ganzen Haikuwelt an. Die Vergötterung Bashōs ging ihm gegen den Strich, das Lob für Bashō sei größer, als seine Haiku es verdienten. Als Gegenpol stellte er Yosa Buson auf, dessen kräftige, genau gesehene Bilder er bewunderte. 1897 lud er zur ersten Gedenkfeier für Buson in sein Haus, zwanzig Gäste kamen, zwei Jahre später sechsundvierzig.
Ein Bashō-Feind war er trotzdem nicht. Gerade weil er stritt, las man Bashō im ganzen Land neu. Sein eigenes Programm hieß Shasei, Skizze nach der Natur, ein Begriff aus der Malerei. Was man sieht, genau aufschreiben, ohne Schnörkel und ohne gelehrte Anspielung.
Sechs Fuß Welt
Anfang 1896 schwoll die linke Hüfte an. Es war kein Rheuma, wie man zuerst dachte, sondern Tuberkulose der Wirbelsäule. Noch im März wurde er zum ersten Mal operiert. Von da an verließ er das Haus in Negishi kaum noch.
Es schneit –
durch ein Loch in der Schiebetür
schaue ich zu.yuki furu yo shōji no ana o mite areba
Masaoka Shiki1867–1902
Im Dezember 1899 ließ er die Papiertüren seines Krankenzimmers durch Glastüren ersetzen. Nun konnte er vom Bett aus den Garten sehen, die gelben Kerrien, die Pfingstrosen, das junge Grün. Auf einer Liste von Ärgernissen notierte er, dass in Japan niemand Flachglas herstellen könne, gleich neben dem Ärgernis, dass dem Menschen keine Flügel wachsen. Im Sommer 1901 ließ er vor dem Fenster ein Spalier für Luffa bauen.

Gepflegt wurde er von Mutter und Schwester. Ritsu war zweimal verheiratet und zweimal geschieden gewesen und widmete sich nun ganz dem Bruder. Er war oft jähzornig mit ihr. Und doch schrieb er, keine bezahlte Pflegerin könne leisten, was Ritsu leiste. Nach seinem Tod ging sie noch einmal zur Schule, wurde Lehrerin und kümmerte sich jahrzehntelang um das Haus in Negishi.
Besucher mit Geschichten
Das Krankenzimmer war selten leer. Ōgai und Sōseki kamen zu Haikurunden, junge Dichter, Maler und Gelehrte gingen ein und aus. Im August 1900 schaute Sōseki ein letztes Mal vorbei, bevor er nach London reiste. Shiki stellte klare Bedingungen. Willkommen sei jeder mit ungewöhnlichen Geschichten, aus Religion, Kunst, Naturwissenschaft oder Landwirtschaft. Unwillkommen sei nur, wer ihm gegenübersitze und nichts zu erzählen habe.
Aus dem ganzen Land schickte man ihm Spezialitäten, Fisch aus Akita, Lachs in Sake-Trester, Apfelgelee aus Aomori und Mandarinen aus Amerika. Von allen Freuden, schrieb er 1901, seien ihm nur noch das Essen und die Freiheit zu schreiben geblieben. Im September begann er ein Tagebuch, das nicht für fremde Augen bestimmt war. Darin notierte er jeden Tag drei Mahlzeiten, die Besucher, die Schmerzen und den Ärger mit der Familie. An einem schlimmen Tag im Oktober zeichnete er ein kleines Messer hinein.
Ich hab die Welt
noch immer nicht satt –
mein Mantel ist aus Papier.世の中を厭ひもはてぬ紙衣哉
Masaoka Shiki1867–1902
Im November 1901 schrieb er an Sōseki nach London. Mit ihm sei es aus, er glaube nicht, dass er ihn wiedersehe. In Wahrheit sei ihm das Leben eine Qual.
Malen nach dem Morphium
Ab Januar 1902 bekam er täglich Betäubungsmittel. Im Mai begann er in der Zeitung eine Kolumne, die bis kurz vor seinem Tod lief. Sie beginnt mit dem Satz, ein Krankenbett von sechs Fuß sei seine Welt, und selbst diese sechs Fuß seien ihm zu groß. Im August schreibt er, das Schönste sei jetzt, nach dem Morphium nach der Natur zu malen. Er malte Astern, Früchte, Blumen und Spielzeug, und weil die Schmerzen so stark waren, nahm er die zweite Dosis manchmal vor der Zeit.

wie viel Zeit bleibt mir
noch zu leben?
die Nacht ist kurz餘命いくばくかある夜短し
Masaoka Shiki1867–1902
Seinen eigenen Tod nahm er mit trockenem Humor. In einem kurzen Text malt er sich aus, wie er begraben wird, den engen Sarg, das Poltern der Erde auf dem Deckel, den Grabstein, den er sich ausdrücklich verbeten hatte.
Sargnägel einschlagen –
ihr Echo hallt nach
in der Kälte der Nacht.入棺の 釘の響きや 夜ぞ寒き
Masaoka Shiki1867–1902
Zehn Trauben am Morgen
Am Morgen des 14. September 1902 wachte er unter dem Moskitonetz auf und aß zehn Trauben, wie einen Becher Unsterblichkeitstau. Durch die Glastür sah er etwa zehn magere Luffaranken, die das Spalier noch nicht erreicht hatten, mit zwei, drei Blüten, dazu Hahnenkamm und Begonien. Ein Nattō-Verkäufer kam vorbei, und Shiki ließ etwas kaufen, um ihm Mut zu machen. Den Text diktierte er Kyoshi. Es war sein letzter.
Ein Mond über der Luffa
Vier Tage später schrieb er die drei Haiku mit der Luffa. Der Saft der Pflanze galt als Mittel gegen Husten. Im ersten heißt es, man habe ihn vorgestern nicht einmal gesammelt. Im zweiten blüht die Luffa, und er selbst ist ein Buddha, ein Toter also, dem der Schleim in der Kehle steckt. Im dritten ist der Schleim so viel, dass auch der Luffasaft zu spät kommt. Das Original liegt heute in der Nationalbibliothek in Tokio.
Am Abend fragte ihn der Arzt, wo es schmerze. Shiki zeigte mit seiner großen Hand, nur noch Haut über Knochen, auf die Brust. Wasser und Arznei bekam er durch ein Glasröhrchen. Er fragte, wer gerade da sei, und Ritsu las ihm die Namen vor. Gegen Mitternacht stand Kyoshi im Garten, über dem Luffaspalier hing ein heller Mond. Die Mutter und eine Bekannte wachten. Als es zu still wurde, sahen sie nach. Er atmete nicht mehr. Ritsu lief weinend und barfuß zum Nachbarn, um den Arzt anzurufen.

Es war gegen ein Uhr am 19. September 1902. Zwei Tage später kamen über hundertfünfzig Menschen zur Beerdigung im Tempel Dairyū-ji in Tabata. Sein Todestag heißt in Japan bis heute Luffa-Gedenktag, und als Jahreszeitwort steht er für den Herbst. Sōseki erfuhr die Nachricht in London.
Was bleibt
Shiki hat den Namen Haiku durchgesetzt und das Gedicht endgültig von der Kettendichtung gelöst, aus der es kam. Er hat es aus dem Kreis der Meisterschulen geholt und in die Zeitung gebracht. Seine Schüler Kyoshi und Hekigotō führten das weiter, jeder in seine Richtung, und die Zeitschrift Hototogisu, nach dem Vogel benannt, der Blut spuckt, gibt es bis heute.
Seine Haiku sind klar und oft hart. Einen Hauch von Trost haben sie trotzdem, und viel Humor. Härtere Verse von ihm stehen in Haiku zum Fürchten, weitere Dichter bei den Dichtern des Haiku.
Dieser Frühling
war nicht vergeblich –
Blüten und Vögel.此春は空しくならず花と鳥
Masaoka Shiki1867–1902



