
Stell dir vor, du müsstest für eine Reise von Berlin nach München nicht nur deinen Pass, sondern auch eine detaillierte Beschreibung deiner Gesichtszüge, deiner Körpergröße und sogar deiner Kleidung mit dir führen. Genau das war Alltag im Japan der Edo-Zeit (1603–1868) und noch später, als die großen Haiku-Dichter das Land durchwanderten.
Was uns heute als romantische Pilgerfahrt erscheint – der einsame Dichter auf staubigen Pfaden, inspiriert von Kirschblüten und Mondlicht – war in Wahrheit ein hochorganisiertes Unterfangen in einem der am besten dokumentierten Reisesysteme der vormodernen Welt.



