Letzter Pinselstrich am von Lenny Löwenstern – Drei Zeilen, ein Augenblick
Haiku sind nicht nur oft traumhaft schön, manchmal handeln sie auch selbst von Träumen. Also dachte ich, versammle ich einige Beispiele. Und hier sind sie.
Es wird traumselig und traumversponnen, versprochen. Und zwar ganz und gar klassisch, auf typisch haikuhafte Weise.
Diese Dreizeiler stammen von alten Meistern und wurden für dich neu übersetzt. Träum weiter!
Letzter Pinselstrich am von Lenny Löwenstern – Drei Zeilen, ein Augenblick
Sie sind keine Süßigkeiten aus der Tüte, sondern Insekten, die sommers unterwegs sind und im Dunkeln leuchten. Ja, das tun sie wirklich.
Im alten Japan waren sie wohl häufiger als in unseren modernen lichtverschmutzten Tagen. Das Haiku hat ihren Zauber für uns bewahrt. Und wer weiß, vielleicht begegnest du ihnen eines Tages wieder, denn Glühwürmchen gibt es auch bei uns.
Im Japanischen heißen sie Hotaru. Ihre Leuchtkraft mag bescheiden sein, den Mond ersetzen sie nicht, doch ein Wunder sind sie allemal.
Im Moskitonetz Glühwürmchen freilassen – welche Freude!
Letzter Pinselstrich am von Lenny Löwenstern – Drei Zeilen, ein Augenblick
Diese Dreizeiler fangen die Essenz des Unterwegsseins ein. Es sind Verse der großen Meister, die einst selbst wanderlustig die Natur durchstreiften; die als Reisende zu Fuß Berge überwanden, einsame Wege abschritten und die beeindruckendsten Momente in Worten festhielten.
Da ich selbst leidenschaftlich gewandert bin, sind mir diese Kurzgedichte nahe. Man kann sie gut nachempfinden, sofort kommen Stimmungen und Erinnerungen auf.
Letzter Pinselstrich am von Lenny Löwenstern – Drei Zeilen, ein Augenblick
Der Hund im klassischen Haiku ist kein treuer Begleiter, kein Held. Er schläft. Er döst. Er liegt im Weg. Manchmal bellt er kurz, dann ist wieder Ruhe. Die alten Dichter beobachteten ihn ohne Sentiment – ein Tier unter vielen, Teil der Szene.
In Japan hatte der Hund nie den Stellenwert, den er heute in Europa genießt. Er war Wachhund, Straßenbewohner, Randgestalt. Gerade deshalb taucht er in Haiku oft überraschend auf: ein schlafendes Bündel auf dem Fährboot, ein Streuner im Spätherbstregen, ein alter Hund mit einer Libelle auf dem Kopf.
Zehn Haiku, zehn Hunde. Die meisten stammen von Issa. Alle zeigen dasselbe: einen Moment, in dem der Hund einfach da ist.
Letzter Pinselstrich am von Lenny Löwenstern – Drei Zeilen, ein Augenblick
Dieses Reisetagebuch wurde 1689 von dem berühmten Haikudichter Matsuo Basho verfasst. Die beschwerliche Reise unternahm er am Ende seines Lebens.
Oku no Hosomichi ist ein Text, der Natur und Landschaft nicht unbedingt realistisch zeigt. Der alte Stil ist leicht, assoziativ, unvollständig, geprägt von Schweigen, Andeutungen und Brüchen. Wichtiger als geografische Genauigkeit ist die persönliche Stimmung der Reisenden.
Erzählerisch schlicht, schreibt Basho hier nicht auf dem literarischen Niveau moderner Erzähler, das musste erst noch erfunden werden. Er berichtet in lockerer, poetischer Form. Zentrale Elemente sind, wie könnte es anders sein, seine eingestreuten Originalhaiku. Allein ihretwegen lohnt die Lektüre. Hier sind sie sozusagen in ihrem natürlichen Umfeld zu sehen.