
Die Haiku von Matsuo Bashō entführen in eine Welt flüchtiger Momente und tiefer Reflexion. Jedes seiner Gedichte ist ein Fenster, durch das wir die stille Schönheit der Natur betrachten – Kirschblüten im Wind, eine Blume, die im Vergehen an die Kreisläufe des Lebens erinnert.
Zwanzig Haiku aus seinen fast tausend, ausgewählt nach dem Thema Blumen und Blüten.
Ein Schmetterling, ein Vogel,
Matsuo Bashō (1644–1694)
eine unbekannte Blume –
Herbsthimmel.
Bashō spielt auf eine gemeinsame, flüchtige Wahrnehmung an – Schmetterling und Vogel teilen sich den Anblick einer Blume, bevor sie weiterfliegen. Eine Szene voller Leichtigkeit, passend zur Melancholie des Herbstes.
Vor den Blütengesichtern
Matsuo Bashō
duckt er sich scheu –
der Frühlingsmond.
Blüten in voller Pracht,
Matsuo Bashō
der Berg wie immer –
im Morgendämmer.

Im Frühlingswind –
Matsuo Bashō
mögen die Blüten lachen
und ausgelassen tanzen.
Kaum ist der Frühling da,
Matsuo Bashō
findet sich alles:
der Mond, die Pflaumenblüten.
Kisagata –
Matsuo Bashō
Xi Shi schläft im Regen,
Seidenbaumblüten.
Kisagata ist ein landschaftlich berühmter Ort in Japan. Xi Shi war eine legendäre Schönheit aus der chinesischen Antike. Die Seidenbaumblüten schließen sich bei Regen – daher die Verbindung zu Schlaf und Traum.
Müde von der Reise –
Matsuo Bashō
ein Quartier suchend,
ach, Blauregenblüten.
Im Fallen
Matsuo Bashō
vergießt sie ihr Wasser –
die Kamelienblüte.
Die Kamelienblüte fällt, und beim Aufprall verschüttet sie Wasser, das sich als Regen oder Tau auf dem Blütenkelch gesammelt hat.

Im Frost verdorrt –
Matsuo Bashō
doch immer noch in Blüte,
die letzten Blumen!
Bei der weißen Mohnblume –
Matsuo Bashō
ein Flügel bleibt zurück,
des Schmetterlings Andenken.
Herbstbegonie –
Matsuo Bashō
in der Farbe der Wassermelone
ist sie erblüht.
Von welchem Baum
Matsuo Bashō
die Blüte stammt, weiß ich nicht –
ach, ihr Duft!
Wie beneidenswert –
Matsuo Bashō
fern der rastlosen Welt,
wilde Bergkirschen.
Weiß blühen die Mondblumen –
Matsuo Bashō
nachts beim stillen Örtchen
die Kerze in der Hand.
Ein nächtlicher Toilettengang, die Kerze in der Hand – und plötzlich leuchten die Mondblumen im Dunkeln. Bashō findet Schönheit auch hier.

Morgentee –
Matsuo Bashō
wie still die Welt ist,
Chrysanthemenblüten.
Zu Boden gefallen,
Matsuo Bashō
zur Wurzel geneigt –
Abschied der Blüte.
Grauer Himmel –
Matsuo Bashō
der Lärm, der Regen,
und Blütenwolken.
Blütenwolken –
Matsuo Bashō
klingt die Glocke aus Ueno
oder Asakusa?
Eines der bekanntesten Haiku Bashōs. Die Blütenwolken der Kirschblüten erfüllen die Luft, während der Klang einer fernen Tempelglocke zu hören ist. Woher sie kommt, bleibt offen.
Zwei Leben,
Matsuo Bashō
ihres lebt in einem anderen fort –
die Kirschblüte!
Niemand sieht ihn –
Matsuo Bashō
den Frühling und die Blüten
auf der Rückseite des Spiegels.
Der Spiegel hängt an der Wand. Um die Verzierungen auf seiner Rückseite zu sehen, müsste man ihn abnehmen. Eine Allegorie auf das Leben selbst.

Zwanzig Blüten, zwanzig Augenblicke. Bashō findet in jeder einzelnen etwas Einzigartiges – Freude, Trauer, Stille, Humor. Die Blume fällt, und im Fallen ist sie schöner als je zuvor.
Über Matsuo Bashō
Matsuo Bashō (1644–1694) gilt als einer der größten Dichter Japans und Meister des Haiku. Er führte ein einfaches Leben und fand Inspiration in der Natur und im Alltag. Seine Gedichte fassen das Vergängliche und das Ewige in wenigen Worten. Mehr über sein Leben: Matsuo Bashō – Leben, Werk und Bedeutung
Werkstattbericht
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