Drei Zeilen, ein Augenblick. Und die ganze Welt darin. Lerne die Kunst des Haiku kennen: Einfache authentische Worte, tiefe Bedeutung – eine poetische Reise durch Natur, Jahreszeiten und Japan, mitten hinein in das Herz der Dinge.
Letzter Pinselstrich am von Lenny Löwenstern – Drei Zeilen, ein Augenblick
Zehn Haiku, die sich ums Meer drehen. Um Weite. Um Wind. Um das, was in uns mitschwingt, wenn wir aufs Wasser blicken. Verbunden ist es mit allerlei Sehnsüchten, der Farbe Blau und zumeist positiven Erinnerungen.
Alle diese Haiku habe ich direkt aus dem Japanischen übertragen. Die Dreizeiler sind entspannt und oft ein wenig melancholisch.
Letzter Pinselstrich am von Lenny Löwenstern – Drei Zeilen, ein Augenblick
Das ist der Titel eines gerade erschienen Buches von mir. Und dieser Titel ist Programm. Haiku sind oft wehmütig, aber nicht so hier. Glück, Freude, Lebendigkeit, ein rundum positives Buch. Doch Werbung will ich hier gar nicht machen (das tue ich an anderer Stelle), sondern einige der schönsten Haiku aus dem Werk zeigen. Sie können deinen Tag verschönern, wenn du es zulässt.
Letzter Pinselstrich am von Lenny Löwenstern – Drei Zeilen, ein Augenblick
Die Pflaumenblüte steht ein wenig im Schatten der viel berühmteren Kirschblüte; davon reden sie alle. Dabei ist die Pflaume nicht weniger zart, nicht weniger schön. Nur seltener. Man findet sie eher auf rustikalen Streuobstwiesen, nicht so sehr als Ziersträucher in Parks. Was ein guter Grund ist, diese Wiesen mal wieder zu besuchen.
Im alten Japan war das anders, der Pflaumenblüte wurde eine ziemliche Wertschätzung entgegengebracht. Sie fand früher statt als die Kirschblüte, teils fast noch in den Ausläufern des Winters. Genau deshalb handeln herrliche Haiku von ihr. Von ihr und ihrer unvergleichlichen Schönheit und Zartheit.
Letzter Pinselstrich am von Lenny Löwenstern – Drei Zeilen, ein Augenblick
Taneda Santōka (Website) war ein japanischer Dichter und Wandermönch, dessen Haiku vor allem dadurch auffielen, weil er sich wenig um traditionelle Formen oder starre Silbenregeln scherte. Er lebte ein bewegtes Leben (1882–1940), kämpfte mit inneren Dämonen, Alkoholproblemen und chronischer Armut. Schließlich wurde der Zen-Buddhismus zu seinem Zufluchtsort – und Santōka zog fortan als Bettelmönch durch das Land.
Dabei nahm er die Dinge, wie sie eben kamen: ehrlich, manchmal ironisch, oft rau, aber immer authentisch. Santōka war kein typischer Buddhist mit sanfter Seele, sondern eher ein Einzelgänger, der sich dem gesellschaftlichen Druck verweigerte. Arbeiten gehen? Davon hielt er nicht viel – seine große Leidenschaft galt stattdessen dem Haiku, dem Wandern und ganz besonders dem Alkohol.
Letzter Pinselstrich am von Lenny Löwenstern – Drei Zeilen, ein Augenblick
Krähen begleiten uns durch das Jahr. Mal als schlauer Geselle, mal als Bote des Unheils – ihr Ruf eilt ihnen voraus. In den Haiku großer Meister taucht die Krähe immer wieder auf. Mal lachend, mal krächzend, mal einsam in der Dämmerung. Sie ist ein Wesen zwischen Licht und Schatten, zwischen Spott und Stille. Schauen wir, was sie uns zuflüstert.
Auf Japanisch heißt sie übrigens Karasu, was gar nicht so fremd wirkt. Die Ähnlichkeit zu unserem Wort könnte mit dem Krächzen der Tiere zu tun haben.
Hier ist eine kleine Auswahl von Haiku, die den großen schwarzen Vogel zum Inhalt haben.