Spatzen – 11 lebendige Haiku aus Japan

Spatzen - 11 freche Haiku aus Japan

Der Spatz ist kein edles Tier. Er singt nicht schön, er schillert nicht, er zieht nicht in ferne Länder. Er ist einfach da – auf dem Dach, im Staub, am Straßenrand. Vielleicht haben ihn die Haiku-Dichter deshalb so geliebt.

In Japan heißt er Suzume, und er gehört zum Alltag wie der Reis. Überall hüpft er herum, streitsüchtig und geschäftig, in Tempelhöfen und Hintergassen. Kein Vogel der Einsamkeit, kein Symbol für Sehnsucht. Der Spatz ist Gesellschaft – laut, gewöhnlich, unübersehbar.

Bleib nicht müßig!
Die Spatzen tanzen,
die Falter flattern.

Kobayashi Issa (1763–1828)

In den klaren Himmel
steigt sein erster Ruf auf –
der frischgeschlüpfte Spatz.

Kobayashi Issa (1763–1828)

Issa sah im Spatzen einen Verwandten: klein, zäh, unbeachtet, aber voller Leben. Wenn bei ihm ein Spatz zwitschert, als hinge das Seelenheil davon ab, dann zwitschert da auch Issa selbst.

Abendschauer –
ein Schwarm Spatzen
klammert sich an die Grashalme.

Yosa Buson (1716–1784)

Schneeschmelze –
die Spatzen am Tor
feiern den Neujahrstag.

Kobayashi Issa (1763–1828)

Die Spatzen tanzen –
der Löwenzahn
verweht.

Taneda Santōka (1882–1940)

Spatzen zwitschern –
was ich geliehen habe
kann ich nicht zurückgeben.

Taneda Santōka (1882–1940)

In der Speisehalle
lässt sich ein Spatz vernehmen –
Abendschauer.

Kagami Shikō (1665–1731)

Meine Wenigkeit
dient als Vogelscheuche,
verehrter Herr Spatz.

Natsume Sōseki (1867–1916)

Rollentausch und Ironie: Der Dichter verbeugt sich in förmlicher Höflichkeitssprache vor dem Spatzen – und macht sich selbst zur nutzlosen Vogelscheuche.

Der Frühlingsregen klart auf –
an der Dachkante
zwitschern Spatzen.

Hakō (1660–1725)

Tau fällt –
als hinge das Seelenheil davon ab
zwitschert der Spatz.

Kobayashi Issa (1763–1828)

Amacha ist der süße Tee, mit dem beim Kanbutsue – Buddhas Geburtstagsfest – die kleine Buddha-Statue begossen wird. Issa beobachtet, wie Spatzenküken sich in der ausgegossenen Flüssigkeit tummeln. Eine irdische, verspielte Parallele zur religiösen Handlung: Auch die kleinsten Wesen nehmen teil am Segen der Welt.

Spatzenkinder
plantschen plitsch platsch
im süßen Tee!

Kobayashi Issa (1763–1828)

Die Grafiken wurden von DALL-E und dem Microsoft Designer via Bing generiert.

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Übersetzerhinweis

Wie ich übersetze
Die Übersetzungen stammen von Lenny Löwenstern. Jede Zeile wurde sorgsam bearbeitet – nicht automatisch, sondern mit viel Sprachgefühl und modernen Werkzeugen. Ziel war, das Wesen der japanischen Originale zu bewahren – in einer Weise, die heute berührt.

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