
Ein poetischer Spaziergang mit den Sternen des Haiku. Die besten und wichtigsten Haiku-Meister Japans haben maßgeblich zur Entwicklung dieser Kunstform beigetragen. Ihre Werke werden damals wie heute in Japan und auf der ganzen Welt gelesen.
Zu jedem Dichter gibtb es einen originalen Dreizeiler als Beispiel.
1. Matsuo Bashō (1644–1694)
Von vielen als der größte Haiku-Dichter betrachtet. Maßgeblich daran beteiligt, das Haiku als eigenständige literarische Form zu etablieren. Viele seiner Werke reflektieren seine Reisen durch Japan. Mehr: Matsuo Bashō – Leben, Werk und Bedeutung
Sommergras –
Matsuo Bashō (1644–1694)
die Träume der Krieger,
nur Flüstern im Wind.
2. Yosa Buson (1716–1784)
Neben seiner Tätigkeit als Haiku-Dichter war Buson auch Maler. Seine Haiku sind für ihre lebendige Bildsprache und tiefe Verbindung zur Natur bekannt. Mehr: Yosa Buson – Leben und Werk
Rapsblütenfeld –
Yosa Buson (1716–1784)
mittendrin kräuselt sich ein
kleiner Bachlauf.
3. Kobayashi Issa (1763–1828)
Issas Haiku werden wegen ihrer Menschlichkeit geschätzt. Er schrieb oft über den Alltag und die kleinen Freuden und Leiden des Lebens. Mehr: Kobayashi Issa – großer Haikudichter kleiner Dinge
Schnecke,
Kobayashi Issa (1763–1828)
gemach gemach erklimme
den Berg Fuji.

4. Masaoka Shiki (1867–1902)
Shiki lebte während einer Zeit des kulturellen Wandels in Japan. Er suchte nach Wegen, das Haiku zu modernisieren. Von ihm stammt der Begriff »Haiku«. Mehr: Masaoka Shiki – der Haiku-Revolutionär
Wie viel Zeit bleibt mir
Masaoka Shiki (1867–1902)
noch zu leben?
Die Nacht ist kurz.
5. Taneda Santōka (1882–1940)
Bekannt für seine freien Haiku und einen Lebensstil, der den traditionellen Normen widersprach. Seine Werke spiegeln seine persönlichen Kämpfe mit Alkohol und Einsamkeit und seine existenzielle Verbindung zur Natur wider. Mehr: Gehen, Trinken, Zen – Haiku von Taneda Santōka
Mein Heimweg –
Taneda Santōka (1882–1940)
nur der Mond
und ein gerader Pfad.
6. Chiyo-jo (1703–1775)
Die bedeutendste klassische Haiku-Dichterin – poetisch, anmutig, naturverbunden. Auch bekannt als Kaga no Chiyojo.
Die Morgenblume
Chiyo-jo (1703–1775)
umschlingt den Schöpfeimer –
ich bitte um Wasser beim Nachbarn.
7. Ōshima Ryōta (1718–1787)
Ryōta forderte Klarheit statt Künstlichkeit, Natur statt Verspieltheit. Über 2000 Schüler folgten ihm, darunter Samurai, Fürsten, Künstler.
So ist die Welt –
Ōshima Ryōta (1718–1787)
drei Tage nicht hingesehen,
Kirschblüten!
8. Takarai Kikaku (1661–1707)
Bashōs brillanter Schüler – urban, verspielt, dichterisch gewandt. Er war zugleich der treueste Schüler und der kühnste Erneuerer.
Des Morgenblaus Angesicht
Takarai Kikaku (1661–1707)
weckt er auf –
der Kuckuck.
9. Uejima Onitsura (1661–1738)
Unabhängiger Zeitgenosse Bashōs – moralisch, ernsthaft, naturhaft. Siehe: Uejima Onitsura (1661–1738) – Samurai, Haikudichter, Wahrheitssucher
Dieser Herbst –
Uejima Onitsura (1661–1738)
kein Kind mehr auf den Knien
beim Mondschauen.
10. Tan Taigi (1709–1771)
Lebte als Mönch in Kyōto und lehrte im Vergnügungsviertel Shimabara die Kunst des Haiku. Er war ein Freund von Buson. Mehr: Tan Taigi – Haiku-Dichter aus Kyōto
Im kleinen Studierzimmer
Tan Taigi (1709–1771)
an diesem Abend –
Glücksblumen.

Die »Großen Vier«
Bashō, Buson, Issa und Shiki werden als die »Großen Vier« der Haiku-Dichtung bezeichnet. Jeder brachte einen eigenen Ton mit: Bashō die meditative Tiefe, Buson die malerische Bildsprache, Issa die Menschlichkeit und Shiki den modernen Blick.
Bashō steht exemplarisch für das Genre. Er verstand es meisterhaft, tiefgreifende Emotionen in der kompakten Form zu vermitteln. Seine Werke zeichnen sich durch beeindruckende Einfachheit aus, die dennoch tiefe Bedeutungen birgt – oft mit einer starken Verbindung zur Natur und zum Konzept von Wabi-Sabi, der Schönheit der Imperfektion und Vergänglichkeit.
Der alte Teich –
Matsuo Bashō (1644–1694)
ein Frosch springt hinein,
das Geräusch des Wassers.
Das wahrscheinlich bekannteste Haiku von allen. Der Klang des ins Wasser springenden Frosches unterbricht die Stille – ein Augenblick der Erkenntnis über die Vergänglichkeit und die ewige Veränderung der Dinge.
Dieser Weg,
Matsuo Bashō (1644–1694)
niemand geht ihn –
herbstliche Dämmerung.

Welcher Dichter passt zu welcher Stimmung?
Bashō für meditative, melancholische Stimmungen. Buson für heitere Naturimpressionen und Farbenpracht. Issa für Mitgefühl und stille Traurigkeit. Shiki für einen klaren, modernen, oft optimistischen Blick auf die Welt.
Wenn die 10 nicht reichen, dann schau in die Liste bekannter klassischer Haikudichter.
Werkstattbericht
Die Grafiken wurden von DALL-E und dem Microsoft Designer via Bing generiert.


