Spatzen – 11 lebendige Haiku aus Japan

Spatzen - 11 freche Haiku aus Japan

Der Spatz ist kein edles Tier. Er singt nicht schön, er schillert nicht, er zieht nicht in ferne Länder. Er ist einfach da – auf dem Dach, im Staub, am Straßenrand. Vielleicht haben ihn die Haiku-Dichter deshalb so geliebt.

In Japan heißt er Suzume, und er gehört zum Alltag wie der Reis. Überall hüpft er herum, streitsüchtig und geschäftig, in Tempelhöfen und Hintergassen. Kein Vogel der Einsamkeit, kein Symbol für Sehnsucht. Der Spatz ist Gesellschaft – laut, gewöhnlich, unübersehbar.

Weiterlesen …

Der Kranich in 10 Originalhaiku

Der Kranich im Haiku

Der Kranich (tsuru) steht für tausend Jahre Leben. Wenn ein Kranich im Haiku erscheint, dehnt sich der Text, wird durchlässig für Dauer und Kontinuität – ein Leben jenseits der Fragilität gewöhnlicher Tiere. Er ist Glücksvogel und Neujahrs-Kigo zugleich: Neubeginn, gemessene Würde und gutes Omen.

Anders als Spatzen oder Krähen bewegt sich der Kranich in klarer, weiter Luft. Selbst im Stand wirkt er wie ein Schriftzeichen, das jemand in die Landschaft gesetzt hat. Das führt zu Bildern gehobener Perspektive: dünne Winterluft, Weite über Feldern, ein eleganter Strich am Horizont. Kraniche sind stille Zeugen großer Räume – sie machen sichtbar, wie viel Platz die Welt hat.

Haiku-Dichter schätzten auch seinen Schrei, der weit trägt und eine Landschaft zugleich öffnet und leert. Kranichpaare wiederum stehen für Beständigkeit – oder für schmale, verletzliche Verbundenheit in der saisonalen Leere.

Weiterlesen …

Die Seegurke in 12 klassischen Haiku – überraschend vielseitig und zum Nachdenken anregend

Die Seegurke im klassischen Haiku

Seegurkengedichte – wer käme außerhalb Japans auf so eine Idee? Ein schleimiges, unscheinbares Meerestier, ohne erkennbare Form, ohne Stimme, ohne Ausdruck – und doch Gegenstand poetischer Betrachtung seit Jahrhunderten.

In der japanischen Dichtung ist die Seegurke (海鼠, namako) kein Kuriosum, sondern ein Prüfstein für genaues Hinsehen. Während westliche Poesie lange Schönheit, Erhabenheit oder Dramatik suchte, erkannte das Haiku die Würde des Gewöhnlichen. Selbst das formlose, fast lächerliche Lebewesen im Sand verdient Aufmerksamkeit.

In diesen Versen wird die Seegurke zur Metapher für das pure Sein. Nicht Symbol, nicht Allegorie – nur Präsenz. Ein kleines, kühles Tier, das durch Wasser und Winter treibt.

Weiterlesen …

Haiku mit Glühwürmchen – 10 Gedichte voller Leuchten und Nachtzauber

Haiku mit Glühwürmchen – 10 Gedichte voller Leuchten und Nachtzauber

Sie sind keine Süßigkeiten aus der Tüte, sondern Insekten, die sommers unterwegs sind und im Dunkeln leuchten. Ja, das tun sie wirklich.

Im alten Japan waren sie wohl häufiger als in unseren modernen lichtverschmutzten Tagen. Das Haiku hat ihren Zauber für uns bewahrt. Und wer weiß, vielleicht begegnest du ihnen eines Tages wieder, denn Glühwürmchen gibt es auch bei uns.

Im Japanischen heißen sie Hotaru. Ihre Leuchtkraft mag bescheiden sein, den Mond ersetzen sie nicht, doch ein Wunder sind sie allemal.

Im Moskitonetz
Glühwürmchen freilassen –
welche Freude!

Yosa Buson (1716–1784)

Weiterlesen …

10 Hunde-Haiku – klassische japanische Gedichte

10 Hunde-Haiku – klassische japanische Gedichte

Der Hund im klassischen Haiku ist kein treuer Begleiter, kein Held. Er schläft. Er döst. Er liegt im Weg. Manchmal bellt er kurz, dann ist wieder Ruhe. Die alten Dichter beobachteten ihn ohne Sentiment – ein Tier unter vielen, Teil der Szene.

In Japan hatte der Hund nie den Stellenwert, den er heute in Europa genießt. Er war Wachhund, Straßenbewohner, Randgestalt. Gerade deshalb taucht er in Haiku oft überraschend auf: ein schlafendes Bündel auf dem Fährboot, ein Streuner im Spätherbstregen, ein alter Hund mit einer Libelle auf dem Kopf.

Zehn Haiku, zehn Hunde. Die meisten stammen von Issa. Alle zeigen dasselbe: einen Moment, in dem der Hund einfach da ist.

Weiterlesen …