
Das Bad war in Japan nie nur Reinigung. Es war Ritual, Rückzug, Gesellschaft. In den Sentos der Städte und den Onsen der Berge trafen sich Nachbarn, Wanderer, Fremde – nackt, gleich, still. Der Dampf stieg auf, das Wasser schwappte, und für einen Moment war die Welt draußen weit weg.
Für die wandernden Dichter waren die heißen Quellen Stationen der Erholung. Bashō kannte sie, Issa liebte sie, Santōka, etwas später, suchte sie auf jeder Reise. Nach Stunden auf staubigen Pfaden das Eintauchen ins heiße Wasser – das war mehr als Wohltat. Es war Ankunft.
Zwölf Haiku über das Baden. Manche dampfen, manche tropfen, eines zittert vor Kälte. Alle zeigen denselben Moment: den Körper im Wasser, den Geist irgendwo anders.



